Der Auftritt der Pariser Formation "Koko von Napoo" wird nur ein Höhepunkt des "Girlmonster"- Abends sein.

Foto: Gregoire Alexandre

Knapp zwei Jahre nach ihrer fulminanten 3-CD-Box mit dem Titel "Girlmonster", in der ein Bogen weiblich-emanzipatorischen Musikschaffens von Post-Punk bis zur Gegenwart gespannt wurde, sind die Chicks on Speed nun mit ihrer konzeptionellen Idee auf der Veranstaltungsebene angekommen: Nach mehreren Girlmonster-Abenden in Hamburg hat das Donaufestival Krems die Gruppe eingeladen, einen eigenen Abend unter dem Titel "Girlmonster" zu kuratieren.

Musikalische Highlights

Das Kollektiv, nach dem Ausstieg von Gründungsmitglied Kiki Moorse nun zu einem Kollektiv von fünf Personen herangewachsen, hat sich dabei auf eine solide Mischung aus legendären Klassikern à la Raincoats und verheißungsvollen "Newcomern" wie den postpunkig inspirierten, den B-52s und New Order huldigenden Electro-Popperinnen von "Koko von Napoo" verlassen.

Poppigstes Highlight des feministisch motivierten Abends am 25. April dürfte der Auftritt der Neo-Superstars "Yo Majesty!" aus Florida sein, deren queere und äußerst funkige HipHop-Neuauflagen seit ihrem Debüt 2008 die Indie-Charts bevölkern.

"Girl Monster is a Gesamtkunstwerk"

Wie die Chicks on Speed selbst betonen: "Girl Monster is a Gesamtkunstwerk", und das heißt für das Programm in Krems vor allem die Integration von Performances, Video-Screenings und kurzfristigen kollektiven Arbeitsprozessen in einen ansonsten eher partylaunig konzipierten Abend.

Den Beginn macht die Performance-Gruppe C.L.U.E., die in knallbunten Outfits "ur-amerikanische" Landschaften unter der musikalischen Begleitung der Psych-Rock-Band Kinski (Seattle) bereisen.
Das Chicks on Speed-Mitglied Anat Ben David interpretiert im Anschluß ihre Pop-Perlen in Zusammenarbeit mit der steirischen Konzertharfinistin Regina Lind extra für den Abend neu.

Murder on the Dancefloor

Wer es dann wieder pünktlich in Halle 1 schafft, verpasst auch nicht den Auftritt des DJ-Kollektivs Men, einem Seitenprojekt von "Le Tigre"-Danseuse J.D. Samson. Mit zwei neuen Mitgliedern der Band Hirsuit haben sich die Auftritte von Men zu tatsächlichen Performances entwickelt, in denen die vielfältigen Schnittstellen von Politik und Dancefloor ausgelotet werden.

Knapp vor neun kommt es dann auch schon zum ersten musikalischen Höhepunkt des Abends mit dem Auftritt der Pariser Formation "Koko von Napoo". Für die Chicks sind sie nichts weniger als die "beste Newcomer Band der Welt", also gut möglich, dass ihr geschicktes Händchen für abgründige Synthie-Lines und melancholischen Vocals auch in Krems gut ankommen wird.

Ann Liv Young-Performance

Parallel zu den FranzösInnen ist die neue Performance der New Yorker Künstlerin Ann Liv Young zu sehen, die bereits das zweite Jahr in Folge beim Donau-Festival vertreten ist: In "Tribute to Elliot" verschreibt sich die Choreografin dem Format einer fundamental christlichen Radioshow und transformiert religiöse Formate und Rituale in einer körperbetonten Drei-Personen-Show.

Mit "Prick your Finger" endet der Performance-inspierte Teil des Abends, wenn Rachael Matthews und Louise Harris aus London ihre mit Fäden und weiteren Materialien verwobenen alten Kassettenbänder für das Publikum neu auflegen. Da wird mittels Crafting wahrlich ungehörte Musik fabriziert.

Musikalisch stehen am späteren Abend dann die bereits eingangs erwähnten "Yo Majesty" auf dem Programm, gefolgt von den Post-Punk-Ikonen "The Raincoats", die seit den 1990ern wieder sporadisch auftreten und nun auch in Krems zu sehen sind.

Girl Monster Orchestra

Den Abschluss macht das "Girl Monster Orchestra", das, zusammengesetzt aus den KünstlerInnen des Abends und unter der künstlerischen Leitung von "Gustav", dem kollektiven Vorsatz von "Girlmonster" huldigt.

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