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Abdelaziz Bouteflika ist erneut zum Präsidenten Algeriens gewählt worden.

Foto: AP

Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika bekam, was er wollte: Wie das Innenministerium am Freitag bekanntgab, wurde der 72-Jährige bei den Wahlen am Donnerstag mit 90,24 Prozent zum dritten Mal im Amt bestätigt. Die Wahlbeteiligung soll bei einer Rekordmarke von 74,54 Prozent gelegen haben. Die restlichen fünf Kandidaten freilich schenken diesen Zahlen ebenso wenig Glauben, wie die Beobachter der nationalen und internationalen Presse. Sie fanden allerorten leere Wahllokale vor.

In Wahlbüros in Algier und in der Region der Berberminderheit, der Kabylei, sollen sich zur Mittagszeit gerade einmal drei Prozent der Wahlberechtigten eingefunden haben. Die Urnen seien "geschwängert worden" , protestiert die Opposition. Gemeint ist, dass bereits befüllte Urnen in den Wahllokalen aufgestellt wurden.

Bouteflika, der eigens die Verfassung ändern ließ, um ein drittes Mal kandidieren zu können, hatte keine ernstzunehmenden Gegner. Die großen Oppositionsparteien, die Front der Sozialistischen Kräfte (FFS) und die Versammlung für Kultur und Demokratie (RCD), traten nicht an. Es handle sich um einen "Verfassungsputsch" , begründet der RCD-Vorsitzende Said Sadi einen Boykottaufruf.

So stellten sich nur fünf Kandidaten kleinerer Parteien zur Wahl. Die Presse kritisierte die Wahlen bereits im Vorfeld. In der Verfassungsänderung, die Bouteflika eine dritte Kandidatur erlaubte, sehen sie eine Wiedereinführung der Präsidentschaft auf Lebenszeiten. Bouteflika, der sich im Wahlkampf als Unabhängiger präsentierte, wurde von der früheren Einheitspartei FLN, dem Staatsapparat und der Armee unterstützt. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD, Printausgabe, 11./12./13.4.2009)