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Handfeste Beweise gegen den 18 Jahre alte Sohn der getöteten Familie und seinen 19 Jahre alten Freund gebe es nicht, dennoch sind sie nach Angaben der Polizei wegen der Gesamtumstände der Tat "dringend verdächtig".

Foto: AP Photo/Daniel Maurer

Eislingen/Göppingen - Der Mord an vier Mitgliedern einer Familie im schwäbischen Eislingen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg bleibt mysteriös. Der 18-jährige Sohn der Familie und sein 19-jähriger Freund, gegen die am Samstag Haftbefehl erlassen worden war, streiten die Tat ab, wie die Polizei in Göppingen mitteilte. Ein mögliches Motiv ist zudem unklar. Auch von der Tatwaffe fehlt bisher jede Spur.

Die Männer stehen in Verdacht, die Eltern des 18-Jährigen - einen 57-jährigen Heilpraktiker und seine zwei Jahre jüngere Frau - sowie dessen zwei Schwestern im Alter von 22 und 24 Jahren erschossen zu haben. Die Opfer starben an einer Vielzahl von Schüssen aus einer Kleinkaliberwaffe. Der Sohn selbst hatte am Karfreitag die Polizei alarmiert. Er gab an, er habe seine Familie im Haus tot aufgefunden. Er selbst habe in der Nacht auf Freitag bei einem Freund übernachtet. Einbruchspuren wurden an der Wohnung nicht gefunden.

"Dringend verdächtig"

Es gibt zwar keine handfesten Beweise gegen die jungen Männer, dennoch sind sie nach Angaben der Polizei wegen der Gesamtumstände der Tat dringend verdächtig: "Am Haus gab es keine Einbruchspuren, es wurde nichts aus der Wohnung gestohlen und nichts durchwühlt", sagte Bauer. Auch die Lage der Toten in der Wohnung lässt nach Auskunft des Sprechers darauf schließen, dass die Familie nicht von Unbekannten überrascht wurde: Die Leiche des 57-jährigen Heilpraktikers wurde im Flur aufgefunden, die seiner 55-jährigen Frau im Bad und die der beiden 22 und 24 Jahre alten Schwestern lagen im Dachgeschoß in einem Zimmer.

Laut Obduktionsergebnis wurden die Vier mit einer kleinkalibrigen Waffe getötet. Nach diesem Bericht weisen die Leichen "eine Vielzahl von Einschüssen auf". Klären muss die Polizei auch, wer von den beiden Tatverdächtigen geschossen haben könnte. Oder griffen beide zur Waffe? Unklar ist nach wie vor auch, in welchem Zusammenhang die Mitgliedschaft des 18-Jährigen im örtlichen Schützenverein zur Tat stehen könnte: Auf den 18-Jährigen war keine Waffe zugelassen. Sein 19 Jahre alter Freund war früher Mitglied in der Schützengilde. In der Wohnung der getöteten Eltern fand die Polizei lediglich ein Luftgewehr.

Schützenverein und Kirchenchor

Der 18-Jährige hatte in seinem Schützenverein mit Luftgewehren aber auch mit kleinkalibrigen Waffen - sogenannten KK Gewehren - geübt. "Im Schützenverein des tatverdächtigen 18-jährigen Sohnes fehlt keine Waffe", sagte Polizeisprecher Rainer Schindler. Ob der mutmaßliche 19-jährige Komplize eine Waffe besessen habe, sei unklar. Am Sonntagvormittag löschte der Verein das Bild und den Namen des 18-Jährigen von der Homepage.

Laut Bauer werden die beiden Tatverdächtigen sowie der nähere Kreis der beiden Männer und der Opfer weiter beleuchtet. "Die Vernehmungen gehen weiter, ebenso die Spurenauswertung. Die Ermittler sichern in den Wohnungen der Tatverdächtigen auch noch neue Spuren." Die 30-köpfige Sonderkommission "Familie" werte Computer, Laptops und Terminkalender aus.

Der 18-jährige war wie seine getöteten Eltern in der Gemeinde sehr engagiert. Im DLRG-Ortsverein war der Schüler Übungsleiter. Nachbarn sagen, die unauffällige Familie sei sehr im Ort verwurzelt gewesen und "seit vielen Jahren engagiert im Kirchenchor". Erst im vergangenen Jahr hatte der 18-jährige laut "Eislingen-Online" mit einem Freund an einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg von den Pyrenäen bis nach Santiago de Campostella teilgenommen. Über diese Reise berichteten sie mit einem Diavortrag Ende Oktober im Luthergemeindehaus von Eislingen. (APA/dpa)