Die Fastenzeit ist zu Ende. Gott sei Dank, und das muss man ja wörtlich nehmen. Aber auch wer sich kein bisschen um Ernährungskasteiung schert und die Speisen nimmt, wie sie kommen, musste staunen, als es unlängst bei Okidoki ans Backblech ging. Das ORF-Kinderprogramm scheint das Naschen nämlich als vorzügliches Verhaltensregulativ zu betrachten.

Der Samstags ab 8.30 Uhr für Trost und Rat unter jungen Menschen (und deren weiterschlafenden Eltern) zuständige Sendungs-Stream anempfahl im Teil Voll stark! einem zunächst vor Cheerleader-Anforderungen kapitulierenden pummeligen Mädchen kurzerhand "Bärli-Keks", die alle Lebensmittelfarben spielten: Die Tante bastelte dem frustrierten Kind zur Ablenkung kunterbunte, aus Choco-Pops und Erdnussbutter zusammengepickte Plätzchen.
Das zerknirschte Ich wurde in Zuspielungen von Visionen bedrängt, die suggerieren, dass jeder ein athletischer Bollywood-Tänzer im weichgezeichneten Tulpenfeld sein kann. Und die Eltern wären auch noch stolz darauf! Was also tun??

Nicht mitmachen, klar. Und sich die Tante Tilly zum Vorbild nehmen. Diese ist nämlich selbst rundlich, und ihr ist es "egal", wie sie aussieht. Okay. Das Problem ist nur: Man riskiert einen Herzinfarkt, wenn man den Zuckerschock als Glücksersatz begreift. Darauf hat man bei der Rezeptansage nicht hingewiesen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgabe, 11./12./13.4.2009)