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Foto: APA/EPA

Washington - Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie Vögel und Insekten flügelschlagend die Richtung ändern? Und ob das bei winzigen Fruchtfliegen anders funktioniert als etwa bei großen Papageien? Bis vor kurzem wusste auch die Wissenschaft über das Thema nichts allzu Genaues.

Nun aber haben sich US-amerikanische Forscher rund um Tyson Hedrick von der Universität North Carolina in Chapel Hill der Frage angenommen und mit einer Hochgeschwindigkeitskamera die Flugmanöver eines Kolibris, eines Kakadus, einer Fledermaus und von vier verschiedenen Insektenarten auf- und dann unter die (Zeit)Lupe genommen.

Unterschiedliche Schlagstärke

Dabei konzentrierten sie sich dabei vor allem auf die Flügelbewegungen der Tiere, während sie nach links oder rechts manövrierten. Etwas überraschend zeigte sich, dass alle Tiere ganz unabhängig von ihrer Größe den gleichen Trick anwendeten. Da die untersuchten Vögel und Insekten ihre Flügel nur synchron bewegen können, bestand das Flugmanöver schlicht darin, die Stärke des Flügelschlags zu variieren. Mit anderen Worten: Bei einer Rechtskurve ist bei der Abwärtsbewegung der Flügel der Flügelschlag auf der rechten Seite stärker, bei der anschließenden Aufwärtsbewegung erhält hingegen der linke Flügel mehr Schwung.

Etwas vereinfacht ist das mit den Steuerbewegungen von Ruderern vergleichbar: Auch sie können die beiden Ruder gleichzeitig durchs Wasser ziehen, aber dabei einer Seite mehr Schwung verleihen als der anderen.

Die Forscher bezeichnen dieses Flugmanöver als Flügel-Gegenmoment. Und wie sich zeigt, hat es zwei entscheidende Vorteile: Es ermöglicht den Vögeln und Insekten, langsam beizudrehen, und erhöht die Stabilität des Beidrehens, wie die Forscher im US-Fachblatt "Science" (Bd. 324, S. 252) schreiben.

Aus ihren neuen Erkenntnissen entwickelten sie auch noch ein Flugmodell, das auf alle flugfähigen Tiere mit ähnlichem Körperbau zutrifft. Das Modell könne womöglich dazu beitragen, auch die Eigenschaften künstlicher Fluggeräte zu verbessern, so die US-Forscher. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 11.-13. 4. 2009)