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1994 fasste Helmut Frodl "lebenslang" aus - 17 Jahre später könnten jetzt die "Achter" als Handschmuck ausgedient haben

APA/Robert Jäger

Linz - Es wird der Tag der Entscheidung für Helmut Frodl. Kommenden Donnerstag berät das zuständige Vollzugsgericht Steyr über dessen Antrag auf vorzeitige bedingte Entlassung. Und die Chancen dafür dürften - anders alles im Jahr 2007, als ein entsprechender Antrag abgewiesen wurde - durchaus gut stehen.

Ein gewichtiges Wort wird auf jeden Fall der ärztliche Gutachter mitzureden haben. Der Mordprozess hatte nämlich ergeben, dass der heute 51-Jährige am sogenannten Borderline-Syndrom leidet.

Bibliothekar statt Playboy

Für den Gefängnisdirektor von Garsten, Norbert Minkendorfer, ist Frodl auf jeden Fall "ein Musterhäftling". In Garsten arbeitet er engagiert in der Anstaltsbibliothek und leitet die Theatergruppe "Ruhestörung". Nebenbei versucht sich Frodl auch als Buch- und Bühnenautor. Unter dem Pseudonym "Hugo Berg" schrieb er im Dezember 2002 in oberösterreichischer Mundart die Hiob-Parabel In Hiob Bauern sei Ölend. Der Weg Frodls in Richtung Freiheit führte über mehrere entscheidende Etappen, allen voran ein im Jahr 2007 erfolgreich abgeschlossenes Theologiestudium am Institut für Gesellschaftslehre und Pastoralsoziologie der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz (KTU).

Mit der Sponsionsurkunde und einem positiven Gutachten des Gerichtspsychiaters Reinhard Haller in der Hand kam Frodl 2007 in den gelockerten Vollzug. Das Studium der Theologie gestaltetet sich übrigens mitunter durchaus kompliziert - vor allem für die Studienkollegen von Helmut Frodl. "Hatte er ein Referat, musste unsere ganze Gruppe zu ihm nach Garsten. Was aber immer ganz nett war, der Helmut hat oft Kuchen und Kaffee serviert", erzählt ein ehemaliger Mitstudent im Standard-Gespräch.

Für den smarten Sonnyboy und Ex-Moderator der ORF-Sendung Ohne Maulkorb hieß es am 13. Oktober 1994 Abschied nehmen vom Jetset. Im Wiener Justizpalast wurde Helmut Frodl wegen eines der schaurigsten Verbrechen der österreichischen Kriminalgeschichte zu lebenslanger Haft verurteilt.

Helmut Frodl hatte 1992 gemeinsam mit seinem damaligen Steuerberater den Wiener Tonstudiobesitzer Fritz Köberl nach Budapest gelockt. In der ungarischen Hauptstadt wurde das Opfer dann betäubt und von Frodl mit vier Genickschüssen getötet. Den Leichnam zersägte der einstige Jolly Joker-Regisseur in der Badewanne mit einem Fuchsschwanz in 17 Teile und verteilte diese quer über Budapest.

Frodls damaliger Komplize befindet sich übrigens seit dem Vorjahr in Freiheit: Dem an Krebs erkrankten Steuerberater wurde bereits die Rechtswohltat der vorzeitigen bedingten Entlassung zuteil.

Kein Kloster, kein Kirchenjob

Offen ist, wohin es Frodl nach seiner möglichen Freilassung zieht. Zumindest die Benediktinermönche aus dem Stift Kremsmünster haben bereits abgewunken. Hartnäckig hielten sich nämlich Gerüchte, dass Frodl im Stift wohnen und arbeiten möchte. "Das ist nicht sinnvoll und würde ihm nicht helfen", stellt der Sprecher des Stiftes, Pater Bernhard Eckerstorfer, klar. Man sei eine dörfliche Gemeinschaft, wo ihn jeder kennen würde - mit 60 Mönchen, 120 Mitarbeitern und 400 Schülern, deren Eltern gegen eine Aufnahme von Frodl "Sturm laufen" würden.

Und ein Job in der Diözese Linz für den Theologen mit der dunklen Vergangenheit? "Da ist zurzeit nichts geplant", heißt es dazu auf Anfrage nur knapp aus dem Linzer Bischofshof. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 11./12. April 2009)