Wien - Singende Mönche in den Charts - an sich nichts Neues: Da gab es Hits der Brüder des Klosters Santo Domingo de Silos (1994); da reüssierte das Projekt Enigma mit klösterlichen, in sanfte Poprhythmen eingehüllten Gesängen. Und auch Jazz-Saxofonist Jan Garbarek landete mit dem Hilliard Ensemble (CD Offizium) in diesem meditativen Bereich 1993 einen sanften Hit. Sakrale Musik - in mannigfacher Form - bildet eigentlich längst einen eigenen Markt. Durch dessen Produkte holt sich der Stressgeplagte womöglich klösterliche Entspannung in seine vier Wände.

Was den Brüdern des Stiftes Heiligenkreuz mit ihrer CD Chant - Music For Paradise widerfuhr, ist dennoch bemerkenswert. Bei einem "Casting" von der Firma Universal für eine weltweite Veröffentlichung ausgewählt, erwiesen sich die (gregorianische Choräle pflegenden) siebzehn Brüder für die Firma als Gottesgeschenk. In den Charts verdrängten sie nahezu alle Popstars von der Spitze, und mittlerweile ist man weltweit fast bei einer Million verkaufter Ex-emplare. Allein in Österreich haben die Heiligenkreuzer an die 230.000 Stück verkauft, was sechsmal Platin bedeutet. 2008 war Chant somit hierzulande die bestverkaufte CD. Noch vor Amy Winehouse. Das Ganze rechnet sich - auch für die Mönche: Sie kommen, verteilt auf mehrere Jahre, auf Einnahmen von 500.000 Euro (pro CD fallen 50 bis 55 Cent an), es gibt mittlerweile auch eine "Super Deluxe Edition" mit teilweise neuen Singgebeten. Sie hätten, wären sie auf Tournee gegangen, allerdings weitaus mehr einnehmen können. Das wäre dann aber doch zu unruhig-weltlich, es reiche ihnen, Gotteslob per CD "in einer wirklich authentischen Weise einer großen Öffentlichkeit präsentieren zu können". Dennoch, es gibt die Möglichkeit, sie "live" zu hören: im Zisterzienserkloster selbst. Täglich schon ab 5.15 Uhr.  (Ljubisa Tosic, DER STANDARD/Printausgabe, 11./12.04.2009)