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Die jüngste unappetitliche Episode aus Browns engstem Umkreis bringt den britischen Permier unter Druck.

Foto: REUTERS/Toby Melville

Die Minister waren mehr mit den innerparteilichen Gegnern beschäftigt als mit der Opposition. Hinterbänkler im Parlament nahmen Bestechungsgelder und leisteten Meineide vor Gericht. Immer wieder erschütterten Schmuddelskandale die Regierung: Die letzten Amtsjahre des konservativen Premierministers John Major Mitte der Neunzigerjahre wurden von den feindseligen Medien unter dem Stichwort "Sleaze" - zu Deutsch "Filz" - zusammengefasst.

Kurz vor dem zwölften Jahrestag ihres ersten Wahltriumphs weist die Labour-Regierung von Gordon Brown verblüffende Parallelen auf: arrogante Minister ohne Initiativen, Pornofilme auf Steuerzahlerkosten, hohe Kabinettsmitglieder, die hart am Rand der Legalität die Staatskasse schröpfen. Die jüngste unappetitliche Episode kommt aus Browns engstem Umkreis und betrifft seinen wichtigsten PR-Berater Damian McBride.

Zusammen mit anderen Spindoktoren hatte der 35-Jährige zu Jahresbeginn eine Labour-Website ausgeheckt, auf der die widerwärtigsten Gerüchte über politische Gegner verbreitet werden sollten. Von Geschlechtskrankheiten, Drogenkonsum, psychischer Instabilität war die Rede in den E-Mails, die McBride von der Downing Street aus an seine Mitstreiter verschickte. Auf ungeklärte Weise geriet das Material an einen konservativen Blogger, am Karsamstag musste der Labour-Spindoktor zurücktreten.

Er habe "diese Geschichten nicht an die Öffentlichkeit bringen wollen" , behauptete Browns Berater. Auch der Premier habe "eine Entschuldigung nicht nötig", glaubt Gesundheitsminister Alan Johnson: "Ich empfinde Scham dafür, dass solches Vorgehen mit unserer Partei in Zusammenhang gebracht wird."

Brown entschuldigt sich

Eine Entschuldigung vom Premier kam dennoch: Am Montagabend drückte Brown sein Bedauern aus und erklärte, künftig solle sichergestellt werden, dass derartiges nicht mehr passiert. Er habe auch Briefe an all diejenigen geschickt, die in den Mails erwähnt worden seien.

Er betonte, kein anderer Regierungsmitarbeiter habe von den E-Mails mit den obszönen Details über die Oppositionsführer gewusst. Der Verhaltenskodex für Berater solle künftig verschärft werden.

Gänzlich schamlos waren Johnsons Kabinettskollegen. Innenminister Jacqui Smith deklarierte ein Zimmer im Londoner Haus ihrer Schwester als Hauptwohnsitz, um für das Familienheim bei Birmingham Wohnzulagen kassieren zu können. Ähnliche Tricks wandten Schatzkanzler Alistair Darling und Verkehrsminister Geoff Hoon an. (Sebastian Borger aus London/red/DER STANDARD, Printausgabe, 14.04.2009)