Die Welt scheint noch im Lot in der Collagenwelt. Noch zweimal auf die Taste drücken, dann steht sie auf dem Kopf.

Foto: Broken Rules

Die Welt besteht aus zerrissenem Papier. In Höhlen ist es mit Felsrelief bedruckt, im Dschungel mit Bäumen und Blättern. Irgendwann wird's auch psychedelisch. Als Held der virtuellen Collage muss eine skizzenhaft gezeichnete Spielfigur ihren Weg durch enge Gänge und unübersichtlichen Dschungel finden, ohne in Skizzenstücke zu zerfallen.

Kein Oben und Unten

Eine Aufgabe, die eine unkonventionelle Eingabemethode verlangt. Die eine Spielerhand organisiert in "And Yet It Moves" das übliche Laufen und Springen. Die andere aber steuert die Welt: Denn die Papiercollage hat kein Oben und Unten, sondern wird per Tastendruck um jeweils 90 Grad gedreht, um neue Wege zu schaffen, wo zuvor Wände und Decken waren.

Frischer Wind aus Wien

Beides - Collage-Ästhetik und innovatives Steuerungskonzept - durchbricht die Norm des Springens und Laufens in zweidimensionalen Spielwelten. Und in diesem Fall bringen den frischen Wind unabhängige Entwickler aus Wien ins Spiel.

Reales Papier

Alles begann 2006 in einem Designpraktikum der Technischen Universität, wo sich vier Medieninformatik-Studenten - Christoph Binder, Felix Bohatsch, Jan Hackl und Peter Vorlaufer - ein Konzept überlegten. Das Ergebnis wurde mit einem ersten Preis beim International Game Festival in San Francisco belohnt und von Förderinstituten wie dem Wiener Departure unterstützt. Partner für die Vermarktung wurden gefunden, ein Studio mit Namen Broken Rules gegründet. Die Spielästhetik entstand durch mühevolles Ausschnipseln aus realem Papier und digitales Nachbearbeiten, um es "so zusammenzubauen, dass es nicht fad ist". Das hat seit April 2007 mehr als 7000 Arbeitsstunden gekostet, resümieren Projektleiter Bohatsch und Programmierer Vorlaufer im Standard-Gespräch.

Nintendo interessiert

Broken Rules kommt, wie vielen anderen kleinen Entwicklern, der Trend zur Vermarktung per Download-Plattformen zugute: Seit kurzem ist es im Angebot von Steam und Greenhouse zu erwerben (Preis: 14 Euro). Und - sieh an - sogar Nintendo hat angeklopft und will eine Version für die Wii. Die soll auch noch heuer fertigwerden. (Alois Pumhösel/ DER STANDARD Printausgabe, 11./12. April 2009)