Wien - Eine "Sozialmilliarde" zur Unterstützung der Beschäftigten in Gesundheits- und Sozialberufen hat am Dienstag die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Jorunalismus, Papier (GPA-djp) gefordert. Die Finanzierung dieser Maßnahmen könnte durch die verstärkte Besteuerung von Vermögen erfolgen, regte der Vorsitzende der GPA-djp, Wolfgang Katzian bei einer Pressekonferenz an. "Erste Zielsetzung der Sozialmilliarde wäre es, die Institutionen zu stärken", so Katzian. Er möchte nicht hören, dass hierfür kein Geld vorhanden wäre. Denn als es darum ging, die Bankenlandschaft zu sichern, wäre sehr wohl Geld vorhanden gewesen, stellte der Gewerkschaftsvorsitzende fest.

Mehr Verteilungsgerechtigkeit

Sollte ein drittes Konjunkturpaket angedacht werden - wovon Katzian ausgeht - dürfe auf den sozialen Bereich nicht vergessen werden. Er plädierte für "mehr Verteilungsgerechtigkeit, als dies in der Vergangenheit der Fall war". Weiters würde sich am Ende der Krise außerdem die Frage stellen "Wer zahlt das alles?": "Was wir nicht wollen ist, dass die Arbeitnehmer, die für die Krise nichts können, ein weiteres Mal dafür die Zeche zahlen müssen."

Auch Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, gab zu bedenken: "Die Politiker heute sollten daran denken, dass sie die Klienten von morgen oder übermorgen sind." Er sprach sich ebenfalls für eine steuerfinanzierten Sozialfonds aus. Laut ExpertInnen könnten durch eine "gerechte Vermögensbesteuerung" bis zu fünf Milliarden Euro lukriert werden, so Kaske.

80 Prozent weibliche Beschäftigte

Die Gewerkschaft hat am Dienstag die Aktionswoche "Soziale Arbeit ist mehr wert" gestartet und möchte mit der Kampagne einerseits auf den Wert der sozialen Arbeit aufmerksam machen und zum anderen die entsprechenden Rahmenbedingungen einfordern. Im Sozial- und Gesundheitswesen arbeiten 200.000 Menschen, wovon fast 80 Prozent Frauen sind. Das durchschnittliche Bruttoeinkommen beläuft sich auf 1.506 Euro, wobei aber zu beachten ist, dass nur 20 Prozent der Beschäftigten Vollzeit arbeiten.

Mehrheit der ÖsterreicherInnen für Aufwertung

Das Institut für Empirische Sozialforschung (IFES) hat im März im Auftrag der GPA-djp unter 500 ÖsterreicherInnen eine Umfrage über die Beschäftigung im Gesundheits- und Sozialbereich durchgeführt. Fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) gaben dabei an, dass die Finanzierung von Pflegeeinrichtungen durch die öffentliche Hand sichergestellt werden soll. Ebenfalls eine deutliche Mehrheit wäre sich der großen Belastung der hier Beschäftigten bewusst - Ausgleichsmaßnahmen wie zum Beispiel ein Anspruch auf längeren Urlaub werden daher überwiegend befürwortet.

Recht auf ordentliches Einkommen

Im Rahmen der Aktionswoche werden in ganz Österreich Unterstützungserklärungen gesammelt. Eine Initiative ist auch im Nationalrat geplant, gefordert werden unter anderem attraktivere Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung. "Wir müssen wegkommen von der Almosen- und Charity-Politik. Die Menschen haben ein Recht auf ein ordentliches Einkommen", so Katzian. (APA)