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"Im Sommer will ich weg aus Moskau und Russland"

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"Ich spiele immer gern für Österreich, mit Lust hat das aber nichts zu tun", Stranzl über das Nationalteam.

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derStandard.at: Wie geht es Martin Stranzl bei Spartak Moskau?

Stranzl: Für mich persönlich läuft es im Moment nicht gut. Ich komme nicht zum Einsatz, stehe nicht im Kader und keiner kann mir erklären warum.

derStandard.at: Trainer Michael Laudrup ist seit September 2008 bei Spartak, sehen Sie noch Perspektiven, solange der Däne das Sagen hat?

Stranzl: Laudrup hat mir gesagt, dass er nicht auf mich setzt. Er hat dem Verein auch geraten, einige Spieler zu verkaufen.

derStandard.at: Lernen Sie noch russisch, oder ist das Kapitel für sie bereits abgehakt?

Stranzl: Ich gebe nach wie vor im Training und bei den Testspielen Gas, auch an meinem Russisch arbeite ich weiter. Aber meine Perspektive bei Spartak Moskau ist gleich Null.

derStandard.at: Was hält Sie noch in Moskau?

Stranzl: Ich wollte bereits im Winter aus Russland weg, aber der Verein hat sich dazu nicht geäußert. Jetzt werde ich erneut das Gespräch suchen.

derStandard.at: Ist das Kommunikationsdefizit in Moskau größer als anderswo?

Stranzl: Der Verein hat bisher keine klaren Aussagen getroffen. Ich will im Sommer weg aus Moskau und Russland und werde mich in den nächsten Tagen mit den Verantwortlichen zusammensetzen.

derStandard.at: Wie lässt sich eine derartige Zeit gezwungener Untätigkeit durchtauchen?

Stranzl: Ich müsste lügen, würde ich nicht zugeben, dass die Situation an meiner Psyche nagt. Ich beschäftige mich mit meiner Familie, versuche nach dem Training abzuschalten und mich fit zu halten, damit ich bald woanders Fuß fassen kann.

derStandard.at: Wohin soll es gehen?

Stranzl: Das wird von den Verhandlungen mit Spartak abhängen. Erst wenn ich über die Vertragsauflösung und die Ablösesumme Klarheit habe, kann ich die Angebote durchschauen.

derStandard.at: Kommt ein Wechsel innerhalb der russischen Liga in Frage?

Stranzl: Nein, die Konkurrenz unter den Top-Klubs ist hier viel größer als in anderen Ländern. Die Rivalität unter den Moskauer Vereinen lässt sich nicht mit der zwischen Austria und Rapid vergleichen.

derStandard.at: Würde Sie ein Wechsel in die österreichische Liga reizen?

Stranzl: Österreich ist meine Heimat, natürlich will ich irgendwann wieder nach Österreich zurück. Ob das als Spieler oder Trainer sein wird, hängt von den Angeboten ab. Ich bin der Liga grundsätzlich nicht abgeneigt.

derStandard.at: In Salzburg fließt das Red Bull-Geld, aber auch die Austria oder Rapid könnten einen Verteidiger Stranzl gut brauchen. Wäre das eine Option?

Stranzl: Es hat noch mit keinem Verein aus Österreich Gespräche gegeben. Ich will jetzt auch nicht anfangen zu spekulieren.

derStandard.at: Wäre ein Wechsel ein finanzieller Abstieg?

Stranzl: Ich will wieder Fußball spielen, für alles Andere lässt sich eine Lösung finden.

derStandard.at: Wie geht es dem russischen Fußball seit der Finanzkrise und wo spüren Sie als Spieler den Sparstift?

Stranzl: Russland ist nicht so, wie es in Europa beschrieben wird. Die Top-Klubs haben keine finanziellen Probleme. Es werden neue Stadien gebaut und Spieler gekauft. Von der Krise sind eher die kleineren Vereine betroffen, aber bisher läuft noch alles.

derStandard.at: Themenwechsel - Haben Sie noch Lust aufs Nationalteam?

Stranzl: Lust aufs Team (lacht). Ich spiele immer gern für Österreich, das macht mich stolz, mit Lust hat das aber nichts zu tun. Ich kann Lust auf ein Eis haben, Fußballspielen ist mein Beruf, da geht es um etwas anderes.

derStandard.at: War die Constantini-Entscheidung gegen Sie und Andreas Ivanschitz nachempfindbar oder eher populistisch?

Stranzl: Ich habe die Entscheidung akzeptiert, ohne dass sie für mich nachvollziehbar war.

derStandard.at: Müssen Fußballer immer kuschen, oder darf man sich auch mal über eine Nicht-Nominierung aufregen?

Stranzl: Was bringt es mir, wenn ich mich in der Öffentlichkeit aufrege. Es bringt nur Unruhe, belastet meine Nerven und geht mir an die Substanz. Das hab ich mir abgewöhnt.

derStandard.at: Rechnen Sie mit einer baldigen Rückkehr ins Team?

Stranzl: Nein. Wenn man berücksichtigt, dass ich bis Sommer in Moskau festsitze, muss man so realistisch sein und nicht damit rechnen.

derStandard.at: Südafrika soll schön sein, würden sie das Team auch als Fan zur WM begleiten?

Stranzl: Sicher nicht! Obwohl meine Frau gerne mal nach Afrika reisen würde, kommt das nicht in Frage. (derStandard.at, 14.04.2009, Simon Hirt)