Genf- Im russisch-georgischen Krieg vom August 2008 sind nach Recherchen von Menschenrechtlern mindestens 16 Zivilisten durch Streubomben getötet und 54 verletzt worden. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation Human Rights Watch (HRW) in einem am Dienstag in Genf vorgelegten Bericht. Beide Seiten hätten die umstrittenen Waffen im dicht besiedelten Konfliktgebiet eingesetzt, heißt es darin.

Streumunition zerlegt sich vor dem Aufprall in viele kleine Sprengsätze und vermint ganze Flächen. Wegen ihrer Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben über Hundert Staaten Ende 2008 ein Abkommen zur Ächtung dieser Waffen unterzeichnet.

HRW beruft sich auf Aussagen von Zeugen und internationalen Helfern sowie auf eigene Recherchen im Kampfgebiet. Danach wurden allein beim Angriff auf die Stadt Gori und den Ort Ruisi neun Menschen durch russische Streumunition getötet. Der Gebrauch sei völkerrechtswidrig gewesen, weil in dieser Situation keine Unterscheidung zwischen zivilen und militärischen Zielen möglich gewesen sei, sagte eine Sprecherin der Organisation in Genf.

Georgien bestreitet Einsatz gegen Zivilisten

Georgien will die Waffen nur gegen die vorrückenden russischen Truppen eingesetzt haben. HRW-Mitarbeiter fanden Spuren jedoch außerhalb dieser Zone. Blindgänger hätten dort noch nach Ende der Kämpfe drei Menschen getötet und stellten weiterhin eine Gefahr dar. Möglicherweise habe das Waffensystem versagt.

HRW rief beide Staaten auf, die Räumung der explosiven Überreste zu unterstützen und der internationalen Anti-Streubomben-Konvention beizutreten. Eine bloße Regulierung ihres Einsatzes, wie sie die Produzenten USA, Russland und China propagierten, reiche nicht aus. HRW sei kein Fall bekannt, in dem Streumunition im Einklang mit internationalem Recht gebraucht worden sei. (APA/dpa)