Wenn Pflanzen im Zuge des Klimawandels früher blühen, schlüpfen dann auch pflanzenfressende Insekten früher? Und falls sie das tun, fangen dann insektenfressende Vögel früher an zu brüten? Oder behalten sie ihre Brutzeit unverändert bei und steigen auf andere Nahrung um? Haben sie diese Möglichkeit überhaupt?

Mit der Frage, wie sich die Klimaänderung auf unsere Vogelwelt auswirkt, werden sich die Schülerinnen und Schüler des Sacré Coeur Pressbaum in nächster Zeit auseinandersetzen - gemeinsam mit Biologen des Konrad Lorenz Institutes für Vergleichende Verhaltensforschung Wien. Es ist eines jener Projekte, die aus 170 eingereichten Vorschlägen ausgewählt wurden, um im Rahmen des Programmes "Sparkling Science" das Zusammenwirken von Schulen und Forschungseinrichtungen zu verbessern. Ende April startet die nunmehr zweite Ausschreibung des Programms des Wissenschaftsministeriums.

Eine niederländische Studie an Blaumeisen aus dem Jahr 2007 hat gezeigt, dass die Vögel ihren Brutbeginn trotz steigender Frühjahrstemperaturen kaum vorverlegen, die Insekten, von denen sie sich ernähren, aber früher schlüpfen. Auf dem wald- und buschreichen Gelände des Sacré Coeur sollen die Schüler nicht nur die dort heimischen Blaumeisen, sondern auch die Haussperlinge untersuchen, die auf dem angeschlossenen Rei-terhof gut gedeihen. Blaumeisen sind Insektenfresser, die für die Jungenaufzucht eine spezielle Kost brauchen, nämlich Frostspannerraupen.

Die "Jungforscher" sollen neben brutbiologischen Daten wie Wahl des Nistplatzes, Brutbeginn, Gelegegröße und dergleichen auch Klimadaten sowie Daten zur Vegetationsentwicklung und zum vorhandenen Nahrungsangebot an Insekten erheben. Viele der dafür nötigen Geräte bauen sie im Werkunterricht selbst. Außerdem werden die Nestlinge vermessen, gewogen und markiert.

Um die Zusammenhänge zwi-schen Brutbeginn und Verfügbarkeit von Nahrung zu untersuchen, werden insgesamt 140 Brutkästen angeboten. Bei einem Teil davon wird das Einflugfloch jedoch erst ein Monat später geöffnet als bei den anderen. Die auf diese Weise erzeugten Spätbruten werden dann mit früher im Jahr erfolgten Bruten hinsichtlich Gelegegröße, Bruterfolg und Jungenentwicklung verglichen.

Die Ergebnisse von "Sparkling Science" sollen von Schülern, Lehrern und Wissenschaftern gemeinsam präsentiert und publiziert werden. (Susanne Strnadl/DER STANDARD, Printausgabe, 15.04.2009)