Gegen die Hypostasierung Darwins und des Darwinismus tritt ein Symposium im Naturhistorischen Museum auf. Von 16. bis 18. April versuchen unter anderem Vertreter der Frankfurter Evolutionstheorie die Korrektur eines Leitbildes.

"Darwin und der Darwinismus - Mythos und Realität" nennt sich programmatisch ein dreitägiges Symposium, das die österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie gemeinsam mit der Abteilung Archiv und Wissenschaftsgeschichte des Naturhistorischen Museums ausrichtet. Von 16. bis 18. April versuchen Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland und Israel die Korrektur eines Leitbildes.

Wichtigste Stimme unter den Kritikern eines allzu plumpen Darwinismus: Die Frankfurter Evolutionstheorie und ihre Vertreter. In Wien ist unter anderem Dr. Michael Gudo, Geschäftsführer der Firma Morphisto Evolutionsforschung und Anwendung GMbH, zu Gast. "Der Zufall ist nur eine faule Ausrede für etwas, was man - noch - nicht erklären kann", meint er. "Die klassische Biologie kann die Frage beantworten, wie sich Arten in ihrer Umwelt behaupten, warum sie sich besser oder schlechter fortpflanzen und warum es in einer Gegend eher die eine und in einer anderen Gegend eher eine andere Farb- oder Formvariante eines Lebewesens gibt. Aber sie hat keine Antworten darauf, wie sich die Baupläne, die so genannten Körperkonstruktionen, entwickeln."

Die Frankfurter Evolutionstheorie nimmt sich den Organismus als Ganzes vor, untersucht ihn als Objekt, das bestimmten mechanischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist und sich auch nur dementsprechend entwickeln kann. "Wir betrachten einen Körper und seine Gewebe, die Bänder, die Sehnen, die Muskeln hinsichtlich der Materialeigenschaften und des Zusammenspiels. Allein die Tatsache, dass Körper aus Flüssigkeiten bestehen, Flüssigkeit aber nicht komprimiert werden kann, schränkt die Möglichkeiten einer evolutiven Veränderung maßgeblich ein.

Umstritte Theorie

Die Frankfurter Evolutionstheorie, zunächst in der Fachwelt hoch umstritten, hat zuletzt einige Erfolge für sich verbuchen können: Die Molekularbiologie, die sich auf immer ausgefeiltere Verfahren der Sequenzierung stützen kann, hat das herkömmliche Stammbaummodell auf den Kopf gestellt und dabei die Erkenntnisse der Forschungen aus der seit den frühen 70er Jahren bestehenden Frankfurter Arbeitsgruppe bestätigt. "In der 2000 erschienenen "New Animal Phylogeny" wurde beispielsweise nachgewiesen, dass die Brachiopoden keineswegs wie bisher angenommen, zu den Deuterostomiern (den Neumundtieren) zählen, sondern einer eigenen, von diesen unabhängigen Evolutionslinie angehören".

Die Frankfurter Arbeitsgruppe hat hierzu schon 1979 wissenschaftliche Arbeiten publiziert: "Durch die Betrachtung des Bauplans haben wir diese und andere Forschungsergebnisse vorweggenommen. Dagegen haben die herkömmlichen merkmalsbezogenen Darstellungen der Verwandtschaftsbeziehungen den Stammbaum eher verschleiert." (red)