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Überlebender Terrorist: Ajmal Amir Kasab.

Foto: REUTERS/CNN IBN

Mumbai/Neu-Delhi/Bombay - Ein indisches Gericht hat einen neuen Anwalt für den mutmaßlich einzigen überlebenden Attentäter von Mumbai bestellt. Wie die Nachrichtenagentur IANS am Donnerstag berichtete, wurde der renommierte indische Strafrechtsanwalt Abbas Kazmi als Verteidiger des 21-jährigen Mohammed Ajmal Amir Oman bestimmt.

Der als Kasab bekanntgewordene Mann soll an den Anschlägen Ende November 2008 in der indischen Wirtschaftsmetropole beteiligt gewesen sein, bei denen mehr als 160 Menschen getötet worden. Dem 21-Jährigen werden von der Anklage unter anderem "kriegerische Handlungen" gegen Indien, Mord und Entführung vorgeworfen. Der pakistanische Staatsbürger beantragte am Donnerstag, sich sofort mit seinem neuen Rechtsbeistand treffen zu dürfen.

Kasab droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe. Der mit Spannung erwartete Prozess gegen ihn war am Mittwoch gleich am ersten Prozesstag vertagt worden, nachdem das Gericht der bisherigen Verteidigerin Anjali Waghmare das Mandat entzog. Sie steht im Verdacht, Kontakt zu einem möglichen Zeugen der Anklage zu haben. Kasab hatte daraufhin beantragt, einen Anwalt aus Pakistan zu bekommen. Dies lehnte der Richter aber ab.

Merkwürdige Wende

Das Gericht setzte am Mittwoch überraschend seine Pflichtverteidigerin Anjali Waghmare ab. Es warf ihr einen Interessenkonflikt vor. Angeblich soll sie auch einen Zeugen der Terrorattacke vertreten. Sie bestritt dies - aber vergeblich. Der Vorfall ist seltsam. Die Anwältin hat ihr Leben riskiert, als sie Kasabs Mandat übernahm. Hindu-Fanatiker haben sie und ihre Familie mit Mord bedroht.

In Indien ist es keineswegs anerkannte Meinung, dass auch Terroristen das Recht auf einen Verteidiger haben. Fernsehsender berichteten, man habe der Juristin nicht einmal erlaubt, mit ihrem Mandaten zu reden. Am Mittwoch wurde Kasab erstmals einem Richter vorgeführt.

Die Anklage gegen Kasab füllt 11.000 Seiten. Man wirft Kasab unter anderem Mord, Entführung und "kriegerische Handlungen gegen Indien" vor. Mehr als 2000 Zeugen will die Anklage aufbieten.  Indien sieht die pakistanische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba hinter der Tat, die auch Kontakte in Pakistans Geheimdienst ISI haben soll. Kasab soll alles gestanden haben. (APA/AFP/dpa/möc/DER STANDARD, Printausgabe, 16.4.2009)