Die Künstlerin Angelika Rattay wollte eine Frau darstellen, "die selbstbewusst, kraftvoll und eigensinnig mit beiden Beinen im Leben steht".

Bild: Entwurf Rathausfrau / www.gruene.at

Und so sieht der Rathausmann aus.

Foto: Matthias Cremer

Wien - Sechs Wochen lang haben die Wiener Grünen mittels Wettbewerb nach einem weiblichen Pendant für den altehrwürdigen Rathausmann gesucht, am Mittwoch wurde nun das Siegerprojekt präsentiert: "Rathausfrau mit Tasche" nennt Gewinnerin Angelika Rattay ihren Entwurf, der demnächst - wo und wann, ist noch unklar - realisiert werden soll. Er zeigt die Umrisse einer Frauengestalt mit erhobenem Kopf, in deren kofferartigem Accessoire sich die Umrisse des Rathauses abzeichnen.

Kein schwaches Geschlecht

Sie wolle die Frau nicht als schwaches Geschlecht, sondern selbstbewusst und bodenständig darstellen, erklärte die studierte Bildhauerin ihr Konzept in einer Pressekonferenz. "Ich kann als Frau genauso gut etwas repräsentieren und das Volk vertreten", erläuterte Rattay das Symbol der Tasche samt eingepacktem Sitz der Stadtregierung. Als Material für die Realisation der Skulptur hat die Künstlerin vorrangig Stahlschrott vorgesehen.

Wo und in welcher Form genau die Rathausfrau künftig thronen wird, ist noch nicht entschieden. Man bemühe sich um einen Standort im öffentlichen Raum, jedenfalls aber biete der Grüne Klub im Rathaus Platz, versicherte die nicht amtsführende Stadträtin und Wettbewerbsinitiatorin Monika Vana. Insgesamt kämpften 58 Einsendungen um die Gunst der Jury, in der Grünmandatare und Mitglieder von Frauenorganisationen vertreten waren. Unter den Einsendungen finden sich neben wenigen 3D-Modellen und einer Bügelperlenvariante vor allem Zeichnungen, die sich mehrheitlich am über 100 Jahre alten männlichen Wahrzeichen orientieren. Die männliche Teilnehmerquote lag laut Vana immerhin bei bis zu zehn Prozent.

Ernster Gedanke

Hinter der "launigen Aktion" stecke ein durchaus ernster Gedanke, betonte die Grünpolitikerin. "Der Frauenanteil im Wiener Magistrat grundelt seit Jahren bei etwa 30 Prozent herum, obwohl das Gleichbehandlungsgesetz eine 50-Prozent-Quote vorsieht", so Vana. Darüber hinaus würden Mitarbeiterinnen der Stadt um rund 20 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Nicht umsonst habe man die Präsentation der Siegerin am Tag vor dem "Equal Pay Day" anberaumt - jenem Tag im Jahr, bis zu dem Frauen aufgrund der Einkommensschere gleichermaßen gratis arbeiten würden.

"Wichtigeren Themen"

Weniger erfreut hinsichtlich der Rathausfrau zeigte sich die nicht amtsführende ÖVP-Stadträtin Isabella Leeb, "weil es ja gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise keine wichtigeren Themen für die Menschen in unserer Stadt gibt". Außerdem sei die Partei "aus gut informierten Kreisen" unterrichtet worden, dass ursprünglich der Entwurf einer Grete Laska im historisierenden Prater-Outfit um 1900 das Rennen hätte machen sollen. Diese Idee sei allerdings von der Realität eingeholt worden, nachdem sich die ehemalige SP-Stadträtin "noch vor Denkmalsetzung" in die Pension verabschiedet hat, so Leeb in einer Aussendung. (APA)