die Ehefrau von Josef F. bereits mehrere Klagen gegen in- und ausländische Medien im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Inzest-Fall von Amstetten gewonnen hat, geht nun auch die Tochter des 74-Jährigen verstärkt medienrechtlich gegen zahlreiche Zeitungen vor. Rund 20 Klagen sind bereits anhängig, wie ihr Anwalt Christoph Herbst  am Rand eines Verfahrens im Wiener Straflandesgericht erklärte.

"taz"-Bericht verletze höchstpersönlichen Lebensbereich

Dort wurde die Berliner Tageszeitung "taz" wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und Verletzung des Identitätsschutzes der inzwischen 42-jährigen Tochter schuldig erkannt. Die Entschädigung für den inkriminierten, sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe erschienenen Artikel hielt sich mit insgesamt 600 Euro aber in Grenzen, da bei der Strafbemessung auf den Verbreitungsgrad der "taz" in Österreich abzustellen war.

"Es hat natürlich reißerische Artikel gegeben", befand Richterin Karin Burtscher. Die deutsche Zeitung hatte unter dem Titel "Im Land der Psychopathen" unter anderem Parallelen des Inzest-Falls in der österreichischen Literatur - etwa in Canettis "Blendung" und Stifters "Turmalin" - behandelt, wobei der Name des Opfers von Josef F. in vollem Umfang genannt wurde.

Die Richterin beurteilte den Text als "durchaus literarisch angehaucht, nicht nur schlecht". Es bestand ihrer Ansicht nach aber "überhaupt keine Notwendigkeit, den Namen des Opfers zu nennen". Die von ihrem Vater 24 Jahre gefangen gehaltene Frau sei damit auf eine Art "an die Öffentlichkeit gezerrt worden, die für sie nicht erwünscht war", stellte die Richterin fest. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Der Rechtsvertreter der "taz" meldete dagegen Rechtsmittel an. (APA)