Wien - Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl findet den Staatspleite-Sager des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Paul Krugman "falsch und fahrlässig". Krugman hätte angesichts von Staatsdefizit, Immobilien- und Finanzkrise, Arbeitslosenquote, öffentlicher Verschuldung oder Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten besser daran getan zu schweigen, anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen. "Ich habe die Ferndiagnosen über Österreich langsam satt", so Leitl am Mittwoch in einer Aussendung.

Leitl sieht hinter der seit einigen Wochen immer wieder aufflackernden Österreich-Kritik vor allem einen Konkurrenzkonflikt, Neid und Missgunst: "Da gibt es nicht nur echte Sorgen um osteuropäische Staaten, da ist auch Missgunst im Spiel, weil viele ausländische Banken die positive Entwicklung der vergangenen Jahre in Osteuropa anders als heimische Geldinstitute verschlafen haben." Das "hervorragende" Triple-A-Rating von Österreich sei nicht in Gefahr, aber es sei ärgerlich, wenn aufgrund von "unfundierter Österreich-Kritik" die Risikozuschläge für heimische Anleihen wieder ansteigen sollten. "Das schadet Österreich wirklich", so Leitl.

FPÖ sieht Lageeinschätzung bestätigt

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky sieht die "Warnungen und Lageeinschätzung der FPÖ" durch die aktuelle Aussage Krugmans dagegen bestätigt. "Das Risiko einer Staatspleite ist nicht von der Hand zu weisen", betonte Vilimsky. Die FPÖ sei nicht bereit, "den Staat Österreich für einige Wiener Großbanken zu opfern". Effektiver wäre es, wenn "wir penibel untersuchen, wem wir die Milliarden-Hilfe zukommen lassen".

Laut BZÖ-Wirtschaftssprecher Robert Lugar muss die Warnung des Starökonomen Paul Krugman vor einem drohenden Staatsbankrott differenziert betrachtet werden: "Einerseits ist Panikmache unangebracht, Österreich ist nicht pleite. Krugmans überzogene Aussagen schädigen daher unnötigerweise die Kreditwürdigkeit Österreichs. Andererseits sind die Ostrisiken der österreichischen Banken evident", meint Lugar. Krugmans Thesen würden nur dann Realität werden, wenn die Regierung ihre passive Haltung nicht aufgibt. Die verantwortlichen Bankmanager müssen zur Schadensbegrenzung gezwungen werden, fordert der BZÖ-Wirtschaftssprecher.(APA)