Josef Cap konsumiert im ORF nicht nur die Information, der SPÖ-Klubobmann genießt auch „den blauen Himmel einer wunderschönen österreichischen Landschaft" - und manchmal auch die Musik.

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STANDARD: Die SPÖ schlittert durch eine Debatte über Vermögensbesteuerung. Warum tut sich Ihre Partei mit diesem Thema so schwer?

Cap: Da tut sich niemand schwer, da gibt es auch kein Schlittern. Diese Diskussion findet europaweit statt, wenn nicht weltweit. Und ganz besonders natürlich in sozialdemokratischen Parteien. Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen jetzt die richtigen Lehren gezogen werden. Es braucht Regelungen im Finanzbereich, einen Ausbau der Finanzmarktaufsicht auf nationaler, aber vor allem auf europäischer Ebene. Und dann stellt sich die Frage: Wer trägt die Folgen dieser Krise? Da ist es nur selbstverständlich, dass wir in der Diskussion nicht ausschließlich im Bereich der Lohn- und Einkommenssteuerzahler verharren, sondern auch darüber nachdenken, wie vor allem die Superreichen ihren Beitrag leisten können.

STANDARD: Die SPÖ scheint da uneinig zu sein. Franz Voves und die Gewerkschafter machen Dampf, der Bundeskanzler und Parteivorsitzende wiegelt ab.

Cap: Ich habe mir das extra rausgesucht. Der Kanzler hat gesagt: „Die grundsätzliche Linie der SPÖ ist, Arbeit zu entlasten und Vermögen zu belasten." Das ist die Grundlage für eine breite Diskussion, zu der Franz Voves einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Alle haben einen Beitrag zu leisten, wenn wir wollen, dass die Wirtschaft wieder floriert. Ich gebe aber zu, wir haben ein Problem in der Debatte: Wir zielen auf rund ein Prozent der Bevölkerung, aber 99 Prozent fühlen sich betroffen.

STANDARD: Wie könnten konkrete Maßnahmen ausschauen? Eine Vermögenszuwachssteuer, eine Finanztransaktionssteuer, was wären weitere Schritte?

Cap: Das sind zwei wesentliche Punkte. Über eine Vermögenszuwachssteuer, etwa bei Aktien, hat es zwischen den Koalitionspartnern schon einmal Konsens gegeben. Und eine Finanztransaktionssteuer ist von Bundeskanzler und Vizekanzler schon auf Europaebene vorgeschlagen worden. Jede weitere Diskussion lebt davon, dass man es so konkret diskutiert, dass nicht die, die das nicht wollen, eine Situation herbeiführen können, wo sich am Ende des Tages alle betroffen fühlen.

STANDARD: Es geht also um die Superreichen und nicht um die Normalverdiener. Ist es das, was Sie sagen wollen?

Cap: Es geht um die Superreichen, na klar.

STANDARD: Und wären Stiftungen auch betroffen?

Cap: Man muss vorausschicken, dass unter einem sozialdemokratischen Finanzminister die Vermögenssteuer abgeschafft wurde und die Stiftungen eingeführt worden sind. Damals gab es die berechtigte Überlegung, Kapital anzulocken, damit es in Österreich ist, hier arbeitet, damit es zu Beschäftigung führt, zu Wachstum, damit sich unser Sozialsystem besser finanzieren kann. Das hat nach wie vor grundsätzlich seine Berechtigung. Mitten in einer Wirtschaftskrise ist es aber legitim und notwendig, darüber nachzudenken, wie es bei den vermögensbezogenen Steuern ausschaut, wie es um die Verteilungsgerechtigkeit bestellt ist. Wir haben in den letzten Wochen über Krisenbeiträge diskutiert. Jetzt sind wir bei den Supervermögenden angelangt, und 95 bis 99 Prozent der Bevölkerung sind der Meinung, dass die ebenfalls einen Beitrag leisten sollen.

STANDARD: Dennoch hat man nicht den Eindruck, dass die SPÖ die Debatte gezielt vorantreibt oder überhaupt in der Lage ist, eines ihrer Kernthemen, die Verteilungsgerechtigkeit, so zu kanalisieren, dass es der Partei nutzt und nicht schadet.

Cap: Da bin ich anderer Ansicht. Aber klar ist, dass diese Debatte Zeit braucht. Sie muss reifen. In der Bevölkerung muss man verstehen, wer betroffen ist und wer nicht. Da läuft vieles sehr demagogisch. Am Ende des Tages glaubt jeder, man will ihm sein Häuserl, sein Grundstück, sein Auto, seinen Hund wegnehmen. Das ist in der Tat kontraproduktiv. Dann hätte man die Diskussion von der Wirkung her verloren.

STANDARD: Thema ORF: Was schauen Sie derzeit am liebsten?

Cap: Als Anhänger des dualen Rundfunksystems schaue ich sowohl ORF als auch die privaten österreichischen Betreiber.

STANDARD: Und Ihr Lieblingsprogramm beim ORF?

Cap: Die gesamte Information. Ich blicke auch gerne über die Information hinaus. Sie werden es nicht glauben, aber ich mag auch den Sepp Forcher sehr - und ähnliche Sendungen. Nach einem anstrengenden politischen Alltag den blauen Himmel einer wunderschönen österreichischen Landschaft genießen und auch manchmal die Musik - das ist auch ein Teil der österreichischen Kulturidentität, die da vermittelt wird. Ich finde, der ORF erfüllt damit seinen Auftrag, die Kulturidentität Österreichs zu repräsentieren.

STANDARD: Sind Sie sich da sicher? Sepp Forcher als Kulturidentität?

Cap: Ja, auch.

STANDARD: Ist es gerechtfertigt, dass der Bundeskanzler mehr Einflussmöglichkeiten im ORF bekommt?

Cap: Wenn der ORF von den Zuseherinnen angenommen werden soll, muss er den Weg der Objektivität und Unabhängigkeit weiter beschreiten. Das gilt aber für alle fünf Parteien. Die Opposition stellt es manchmal so dar, dass die Regierungsparteien keinen Einfluss haben sollen, aber dafür die Opposition. Ich sage, es soll keine der fünf Parteien, außer nach dem Gebot von Objektivität und Unabhängigkeit, vorkommen. Das ist ein grundsätzlich wichtiger Wert, wenn einem daran liegt, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch eine Zukunft hat.

STANDARD: Bundeskanzler Faymann stellt es so dar, als wäre es seine Pflicht, sich einzumischen.

Cap: Die Politik hat die Rahmenbedingungen wirtschaftlicher Natur abzusichern, damit der ORF seinen Programmauftrag, seinen Kulturauftrag erfüllen kann. 2001 hat es unter Schüssel und Molterer für den ORF auf der Einnahmenseite Einschränkungen gegeben. Da kann man durchaus in einer Novellierung des ORF-Gesetzes dafür sorgen, dass der ORF bessere Möglichkeiten hat, damit er wirtschaftlicher agieren kann.

STANDARD: Wann haben Sie zuletzt am Küniglberg angerufen?

Cap: Gar nicht.

STANDARD: Das kann nicht sein.

Cap: Nein. Aber Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich anrufe und irgendwelche ....

STANDARD: Und Ihr Sprecher Peter Pertl?

Pertl: Ich rufe bestenfalls zurück!

STANDARD: Die FPÖ macht im Parlament eine Veranstaltung, zu der der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf auch einen bekannten Rechtsextremisten als Vortragenden eingeladen hat. Stört Sie das nicht?

Cap: Ich gehe dort nicht hin, logischerweise. Das Ganze findet in Eigenverantwortung des Veranstalters statt, und damit haben wir glücklicherweise nichts zu tun.

STANDARD: Aber es findet dennoch im Parlament statt.

Cap: Ja, das ist ein Fraktion, die hier politisch tätig ist, und die das in dieser Form macht. Meine Veranstaltung ist es mit Sicherheit nicht.

STANDARD: Dennoch: Stört es Sie nicht, dass so etwas im Parlament stattfindet?

Cap: Ich bin über diese Veranstaltung nicht informiert, aber ich schenke Ihrer Berichterstattung Glauben und daher gehe ich mit Sicherheit dort nicht einmal vorbei. (Michael Völker, DER STANDARD-Printausgabe, 16. April 2009)