Thomas Müller

Foto: STANDARD/Cremer

Polizist, Psychologe, Profiler, Bestsellerautor, Playmobil-Figuren-Regisseur und jetzt also auch noch Prinzenrollenanalytiker. Thomas Müller ist wahrlich ein Tausendsassa. Im ZDF-Dreiteiler Die Windsors - Triumph und Tragödie darf der gebürtige Tiroler als „Wiener Psychologe" Konflikte in der englischen Königsfamilie kommentieren.
In Folge eins hörte sich das so an: „Ein Thronfolger muss dem entsprechen, was von ihm erwartet wird." Oder: „Kontinuität folgt dem einfachen Prinzip: Der König ist tot, es lebe der König."

Schade, von Thomas Müller ist man mehr gewohnt als Binsenweisheiten. Aber mehr haben ihm die Doku-Autoren Volker Schmidt-Sondermann und Ulrike Grunewald wohl nicht zugedacht. Seine beste Rolle, nämlich sich selbst zu spielen, kommt dabei jedenfalls viel zu kurz.

Der Mann, der in den 90er-Jahren zu den gefragtesten Kriminalpsychologen Europas zählte und in Österreich unter anderem die Kriminalfälle Jack Unterweger und Franz Fuchs bearbeitete, ist nämlich auch ein begnadeter Unterhalter. Spannender als Müller hat noch kaum jemand „die Bestie Mensch" beschrieben oder das Böse in klassischen Theaterdramen entlarvt.

Aber die nächsten TV-Auftritte von Thomas Müller kommen bestimmt. Bei Big Brother beispielsweise könnte er mit perfekt geübter finst'rer Miene in tiefste Abgründe blicken lassen. (Michael Simoner, DER STANDARD; Printausgabe, 16.4.2009)