Bild nicht mehr verfügbar.

Im Mai 2008 zündete ein Mob das Roma-Lager Ponticelli an. Kinderzeichnung vom Vorfall.

Foto: EPA

Italien ist das EU-Land mit der geringsten Roma-Population. Die auf der Halbinsel lebenden rund 150.000 Rom stellen weniger als 0,3 Prozent der Gesamtbevölkerung dar. Obwohl zu 70 Prozent italienische Staatsbürger, lebt der Großteil unter menschenunwürdigen Bedingungen in der Peripherie der Großstädte. Mit 50 Jahren weisen sie die niedrigste Lebenserwartung und die geringste Einschulungsquote der Europäischen Union auf. Nur neun der in Italien registrierten Roma sind über 80 Jahre alt, und nur zwei besuchen eine Oberschule. Nach zahlreichen rassistischen Übergriffen und der Evakuierung der Roma aus dem in Brand gesteckten Lager Ponticelli in Neapel leben die meisten Zigeuner-Familien isoliert in trostlosen und staubigen Lagern. Von den 53 eingezäunten Lagern am Stadtrand der Hauptstadt Rom sind offiziell nur fünf ans Stromnetz angeschlossen, kein einziges an die Kanalisation.

Bushaltestellen und Geschäfte sind meistens weit entfernt. Die Schüler, die auf zahlreiche Schulen aufgeteilt werden, müssen lange Busfahrten in Kauf nehmen und kommen täglich verspätet zum Unterricht. "Wir erleben", versichert der Roma-Vertreter Graziano Halilovic, "die dramatischsten Zeiten seit dem Sturz des Faschismus." (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 16.4.2009)