Moskau - Russland hat die NATO zum Verzicht auf ein Manöver in Georgien aufgefordert. Die im Mai geplante Übung müsse verschoben oder abgesagt werden, sagte der russische Botschafter bei der NATO, Dmitri Rogosin, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Manöver sei eine Provokation. Russland und Georgien hatten im Sommer vorigen Jahres einen mehrtägigen Krieg um die abtrünnige georgische Region Südossetien geführt.

Stein des Anstoßes ist der Beschluss von Tiflis und der NATO, neun Monate nach dem Einmarsch russischer Truppen nach Georgien in dem Kaukasus-Staat zwei Militärmanöver abzuhalten. Nach Angaben der militärischen NATO-Zentrale vom Mittwoch in Mons (Belgien) werden rund 1.300 Soldaten aus 19 Staaten ab 6. Mai an einer Stabsübung und in der zweiten Maihälfte an einer Feldübung teilnehmen. Die Manöver, an denen auch mehrere Nicht-NATO-Staaten teilnehmen, finden in einem Übungsgelände in Vaziani 20 Kilometer östlich der Hauptstadt Tiflis statt.

Bei der Stabsübung gehe es darum, die Zusammenarbeit zwischen NATO-Staaten und anderen Partnerländern zu üben, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung der NATO. Als Szenario diene ein Kriseneinsatz unter einem fiktiven UN-Mandat. Anschließend werde dann im Feld ein Einsatz zur Friedenssicherung geübt.

Den NATO-Angaben zufolge begann die Planung für die Übungen "Cooperative Longbow/Cooperative Lancer" bereits im Frühjahr 2008, also vor dem Einrücken russischer Truppen nach Georgien. An dem Manöver nehmen unter anderem Nicht-NATO-Saaten wie Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Moldawien und die Vereinigten Arabischen Emirate teil. Die USA und Großbritannien gehören ebenfalls zu den Teilnehmern, während beispielsweise Deutschland, Frankreich und Italien bei dem NATO-Manöver nicht dabei sind.

Russische Soldaten sind nach wie vor in den abtrünnigen georgischen Gebieten Südossetien und Abchasien stationiert, die sich für unabhängig erklärt haben. (APA/Reuters/dpa)