Wien - Es sieht so aus, als könnten die Wiener Sozialdemokraten ihr (Wahl-)Versprechen halten: Für nahezu alle Kinder zwischen null und sechs Jahren soll der Kindergartenbesuch ab kommendem Herbst gratis sein. Nicht nur in den Einrichtungen der Gemeinde, auch beim Gros der privaten Anbieter und bei den Tagesmüttern soll der Elternbeitrag gänzlich wegfallen, erklärte der zuständige Stadtrat Christian Oxonitsch (SP) im Gespräch mit Journalisten.

In den nächsten Wochen will Oxonitsch die Verhandlungen mit den rund 200 Trägern abschließen. Darin soll unter anderem festgehalten werden, dass der Wiener Bildungsplan angewandt wird, dass die Kindergärten an Evaluierungen teilnehmen und dass vor Ort auf die Förderung durch die Stadt hingewiesen wird. Auch das System an sich wird umgestellt: Während derzeit nach Gruppen unterstützt wird, wird ab Herbst auf eine Pro-Kind-Förderung umgestellt.

Bisher mussten Eltern pro Kind und Monat maximal 226 Euro für die städtische Betreuung bezahlen, wobei in Wien bisher rund ein Drittel der Eltern Vollzahler waren, ein Drittel hat bereits bisher nichts für den Kindergartenplatz bezahlt, ein Drittel geringere Beiträge. In privaten Kindergärten waren die Höchstbeiträge zum Teil deutlich höher als in den Gemeindekindergärten. Nur die drei Prozent jener Einrichtungen, die privat und nicht gemeinnützig sind, werden wohl weiterhin Beiträge einheben. Essens- und Bastelgeld wird auch in Zukunft anfallen.
Neben der Finanzierung gibt es aber noch eine Reihe von Fragen, die sich Eltern derzeit stellen:

  • Was sind die Voraussetzungen für einen Gratisplatz?

Die österreichische Staatsbürgerschaft ist keine Bedingung. Das Kind und mindestens ein Elternteil müssen in Wien hauptgemeldet sein. Wer in Niederösterreich wohnt und sein Kind etwa aus beruflichen Gründen in einen Wiener Kindergarten bringt, muss auch weiterhin zahlen.

  • Müssen Eltern, deren Kinder in einen Privatkindergarten gehen, den kompletten Beitrag zuerst vorstrecken?

Nein. Je nach Ergebnis der Verhandlungen mit den Trägern wird ab Herbst nichts oder ein reduzierter Beitrag eingehoben.

  • Gibt es mit der Einführung des Gratiskindergartens auch einen Rechtsanspruch auf einen Platz?

Nein. Möglicherweise gibt es aber das verpflichtende Kindergartenjahr vor dem Schuleintritt schon ab Herbst und damit auch den Rechtsanspruch (siehe Artikel rechts).

  • Muss man berufstätig sein, damit der Kindergartenplatz kostenfrei ist? 

Nein. Es muss für keinen Kindergartenplatz bezahlt werden. Mangelt es aber an Betreuungsmöglichkeiten, dann kann die Berufstätigkeit der Eltern ein Kriterium dafür sein, ob das Kind einen Platz erhält. Kinder, deren Bruder oder Schwester bereits einen Kindergarten besucht, werden ebenfalls bevorzugt aufgenommen.

  • Wie viele Kindergartenplätze gibt es in Wien?

In der Altersgruppe bis sechs Jahre gibt es derzeit 57.900 Plätze (inklusive privater Kindergruppen und Tageseltern). 47 Prozent der der Plätze sind in Gemeindekindergärten, 40 Prozent werden von den großen gemeinnützigen Vereinen (Kinderfreunde, Erzdiözese, Kinder in Wien) betrieben, zehn Prozent von sonstigen geförderten Vereinen und drei Prozent von nicht geförderten Betreibern.

  • Wohin kann ich mich wenden, wenn ich dringend einen Kindergartenplatz brauche?

Die Hauptanmeldezeit ist imJänner und Februar, es ist aber möglich, sich auch außerhalb dieser Frist in den Servicestellen (www.kindergaerten.wien.at) anzumelden. (Bettina Fernsebner-Kokert, Andrea Heigl/ DER STANDARD-Printausgabe, 17. April 2009)