ÖFI-Geschäftsführer Roland Teichmann: "So war das alles nicht geplant."

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Wien - Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) befürchtet bereits für 2009 und 2010 ein Wegbrechen des ORF bei der Kinofilm-Finanzierung. "So gut wie sämtliche der derzeit für 2009 verfügbaren Mittel aus dem Film/Fernseh-Abkommen" seien bereits nach dem zweiten von fünf Sitzungsterminen im Jahr vergeben, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung des ÖFI. "Aus momentaner Sicht sind daher Mitfinanzierungen des ORF an Kinofilmen nicht mehr möglich." Ein etwaiger Vorgriff auf das Budget von 2010 würde spätestens nächstes Jahr ein großes Loch in der Förderstruktur hinterlassen.

Derzeit ist der ORF mit 5,9 Millionen Euro im Jahr am Film/Fernsehabkommen beteiligt, laut Finanzvorschau der ORF-Geschäftsführung ist für 2010 eine Halbierung dieses Betrages vorgesehen. Und für das Jahr 2011 ist derzeit eine Beendigung des Abkommens im Gespräch. "Sollte also - wie bereits im Vorjahr - im Juni ein Vorgriff in Höhe von 1,2 Millionen Euro auf 2010 erfolgen", rechnet das ÖFI vor, "würde das nach derzeitigem Stand bedeuten, dass 2010 lediglich 1,8 Millionen Euro aus Mitteln des Abkommens für Kinofilme zur Verfügung stehen". Der nächste gemeinsame Sitzungstermin von ÖFI und ORF ist am 24. Juni, für 7. Oktober und 4. Dezember sind die letzten beiden Sitzungen des Jahres angesetzt.

Dem ÖFI selbst stehen heuer insgesamt 15,5 Millionen Euro zur Verfügung. Geschäftsführer Roland Teichmann konstatierte jedoch, dass er derzeit nach wie vor noch mit 12,5 Millionen Euro budgetiere. "Die drei Extra-Millionen brauche ich, um die Löcher zu stopfen, die der ORF hinterlässt." Er hofft knapp eine Woche vor der Budgetrede weiter auf eine Erhöhung des ÖFI-Topfs auf 20 Millionen Euro. Gleichzeitig sei diese Zielvorgabe eigentlich schon wieder veraltet: Mit dem im Zuge der Sparmaßnahmen wahrscheinlichen Ausstieg des ORF aus dem Film/Fernseh-Abkommen im Jahr 2011 "wären 25 Millionen Euro das eigentliche Zielbudget".

Mit der höheren Dotierung der Filmförderung allein sei es aber ohnehin nicht getan, ist sich Teichmann bewusst. Auch die Rahmenbedingungen für die österreichische Filmlandschaft müssten verbessert, Komplementärförderungen ermöglicht und der Standort attraktiver gemacht werden. Alle Komplementärmodelle wie Abschreibungs- oder Zuschussmöglichkeiten würden für eine "Verbreiterung der Finanzierungsbasis" sorgen und damit dem Film helfen. Gerade der langsame Wegfall des ORF als Finanzierungspartner führe eine mögliche Erhöhung des ÖFI-Budgets wieder ad absurdum. Teichmann resignativ: "So war das alles nicht geplant."

Die ÖVP hat am Donnerstag Kritik am ORF und dessen fehlenden Engagement bei der Filmförderung geübt. "Der Österreichische Rundfunk als Zentralanstalt der österreichischen Identität muss sich der Kunst und Kultur in Österreich annehmen und kann sich auch gerade in der Frage des österreichischen Films seiner Verantwortung nicht entziehen", sagte Silvia Furhmann im Kulturausschuss des Parlaments. Die Kultursprecherin forderte Investitionen des ORF in die österreichische Filmproduktion und sieht "angesichts der alarmierenden Meldungen" SP-Medienstaatssekretär Josef Ostermayer gefordert.
 (APA)