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Das Kreditinstitut konnte seinen Börsewert seit Anfang März schon wieder verdoppeln.

Foto: AP/Mark Lennihan

Die Bankenbranche in den USA sendet nach zwei Krisenjahren in Folge wieder deutliche Zeichen der Hoffnung aus. Das zweitgrößte US-Institut J.P. Morgan Chase wartete am Donnerstag als drittes Geldhaus innerhalb weniger Tage mit überraschend positiven Quartalszahlen auf. Ausgerechnet das in der Finanzkrise von Abschreibungen belastete Investmentbanking war dabei in den ersten drei Monaten des Jahres Gewinnbringer Nummer eins.

Erhöhte Risikovorsorge

Die Rezession zwingt J.P. Morgan allerdings zu einer erhöhten Risikovorsorge - vor allem im Geschäft mit Konsumentenkrediten. Dennoch will Bankchef Jamie Dimon nun die 25 Mrd. Dollar (18,9 Mrd. Euro) an Staatshilfen so schnell wie möglich zurückzahlen. "Wir können das morgen machen - wir haben das Geld", sagte er.

Der Nettogewinn nach Abzug der Dividenden für die Vorzugsaktionäre sank zwar um ein Drittel auf 1,52 Mrd. Dollar, lag aber deutlich über den Analystenprognosen. Auf der Einnahmenseite konnte die Bank, die bisher weltweit am besten durch die Finanzkrise gekommen ist, um 45 Prozent auf 25 Mrd. Dollar zulegen. Ein wesentlicher Grund war der Kauf der kollabierten Bank Washington Mutual im vergangenen Herbst.

Dimon warnte aber vor verfrühtem Optimismus: Das Investmentbanking sei im ersten Quartal traditionell stark. Es sei unvernünftig, hieraus Rückschlüsse für den weiteren Jahresverlauf zu ziehen. Zudem könnte die Rezession die Belastungen im Konsumentenkredit- und Kreditkartengeschäft weiter nach oben treiben. Hier gehört die Bank zu den größten Anbietern in den USA.

Kein frisches Kapital nötig

Die Bank sei auch für eine verschärfte Krise gut gerüstet, sagte Konzernchef Dimon in New York. "Wir brauchen kein frisches Kapital."

Die Bank wolle ihre Staats-Finanzspritze von 25 Mrd. Dollar schnellstmöglich zurückzahlen, warte aber ein Signal der Regierung ab, so Dimon. Auch andere Häuser dringen auf eine rasche Rückgabe. Sie stört der Staatseinfluss etwa auf Managergehälter. Viele andere Banken brauchen das Geld aber noch, womöglich sogar einen Nachschuss.

J.P. Morgan könnte jederzeit frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen, betonte Dimon. Dies sollte nach seiner Ansicht generell eine zentrale Voraussetzung dafür sein, dass ein Haus die Hilfen zurückzahlen darf. Die US-Regierung wartet noch die Ergebnisse eines Belastungstests mit den Banken ab, um zu entscheiden, wer den Staat wieder loswerden kann. Sie fürchtet eine Zweiklassen-Einteilung der Institute durch die Investoren. J.P. Morgan hat mit einer Kernkapitalquote von 11,3 Prozent einen dickeren Eigenkapitalpuffer als die meisten Rivalen. Die Deutsche Bank kam Ende 2008 auf 10,1 Prozent.(APA/Reuters)