Wien - Weltweit sinken aufgrund der krisenbedingten Nachfrageflaute die Rohstoffpreise und mit ihnen sinkt auch die Teuerung bei Konsumgütern deutlich ab: Statistik Austria errechnete etwa für den März 2009 eine Inflationsrate von nur mehr 0,9 Prozent im Jahresabstand. Der Wert in der Euro-Zone ist mit 0,6 Prozent auf den tiefsten Stand seit 13 Jahren gefallen. In den USA nahmen die Verbraucherpreise indessen erstmals seit 1955 eine deflationäre Entwicklung: Der Preis für den repräsentativen US-Warenkorb sank im März um 0,1 Prozent im Jahresvergleich.

Billige Rohstoffe

Diese Entwicklungen bringe es etwa mit sich, dass die Industrie derzeit so billig wie lange nicht ihre Rohstoffe einkaufen kann. Voestalpine-Chef Wolfgang Eder berichtete am Donnerstag in einem Gespräch im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien, dass sein Unternehmen bei den jüngsten Vertragsabschlüssen über Eisenerz um 40 Prozent, bei Kohle um voraussichtlich 50 Prozent günstiger als vor einem Jahr wegkomme.
"Das ist aber auch der Hebel, an dem die Autohersteller ansetzen" , so Eder weiter, die Marge in der Automotive Division des oberösterreichischen Leitbetriebes werde sich daher nicht nachhaltig verbessern. Überhaupt werde die Zeit bis Mitte 2010 "hart" werden, sagt der oberste Stahlkocher. Die Voestalpine fahre derzeit (wie bereits im Februar) mit 70 Prozent Auslastung. In Linz laufen vier von fünf Hochöfen (zum Vergleich: Beim Branchenprimus Arcelor-Mittal stehen in Europa elf von 25 Öfen). Im März hat die Voestalpine mehr als ein Drittel weniger Stahl produziert als im Vergleichsmonat 2008 (in Deutschland: Rohstahlproduktion im März minus 50 Prozent).

Weiterer Jobabbau nicht auszuschließen

Eder will daher weiteren Jobabbau ab Herbst dieses Jahres nicht ausschließen. Vorher müsste aber noch entscheiden werden, ob die wie berichtet eben erst verlängerte Kurzarbeiterregelung noch einmal erweitert werden soll. Konzernweit arbeiten derzeit 10.500 Mitarbeiter kurz, ab Mai werden es 13.700 sein. Bisher wurden in Österreich 225 Arbeitnehmer aus der Stammbelegschaft gekündigt - 80 bei Böhler-Uddeholm Precision Strip (in Ybbstal, NÖ), 65 bei der Voestalpine Krems GmbH (NÖ) sowie 80 bei Voestalpine Tubulars (Kindberg, Stmk.), wo von Vier- auf Drei-Schicht-Betrieb (Eder: "Also von Boom- auf Normalbetrieb" ) umgestellt wurde.

Sonderzahlungen

Eder betonte, dass die Voest mit der "Stahlstiftung" ein Instrument habe, das bis zu 500 Personen aufnehmen und umqualifizieren könnte. Konzernweit 300 bis 400 Voestler, die knapp vor der Pension stünden, wolle man weiters mit Sonderzahlungen überzeugen, doch etwas früher in den Ruhestand zu treten, berichtet der Generaldirektor. Angesichts des Umfeldes will die Voest die Investitionen weiter zurückfahren - für das Ende März angelaufene Geschäftsjahr 2009/2010 gegenüber dem Jahr davor von rund einer Milliarde auf 600 Mio. Euro. Für Innovationen, Forschung und Entwicklung sowie Lehrlinge (1800 pro Jahr) wolle man aber weiter den Geldfluss offen halten. Für 2008/09 erwartet Eder einen operativen Gewinn von rund einer Mrd. Euro (2007/08 waren es 1,15 Mrd. Euro). "Wir werden eine Dividende zahlen, über die Höhe können wir noch keine Aussage treffen" , so Eder. 

Kein Verlust

Auch für 2009/10 geht der Voest-Chef "nicht von einem Verlust aus" . Liquidität sei - nicht zuletzt aufgrund der unlängst begebenen, stark nachgefragten Anleihe über 400 Mio. Euro - mit insgesamt 1,4 Mrd. Euro ausreichend vorhanden. Die europäische Autoindustrie, einer der wichtigsten Voest-Kunden, kommt indessen auch trotz Verschrottungsprämien und anderer staatlicher Konjunkturprogramme in vielen Ländern nicht in Gang. Im März gingen die Pkw-Neuzulassungen mit minus 9,0 Prozent zum Vorjahresmonat im elften Monat in einer Folge zurück, wie der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) mitteilte (Österreich: minus 11,5 Prozent, die Verschrottungsprämie wurde aber erst im April eingeführt, 6500 von 30.000 möglichen Prämien wurden bisher beantragt). Von den Abwrackprämien - hierzulande "Umweltprämie" genannt - hält Voest-Chef Eder im Übrigen wenig: "Ein Strohfeuer. Nach dem Auslaufen werden die Autohersteller in ein noch tieferes Tal fallen." (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.4.2009)