Entweder wird tatsächlich verschrottet, oder die Autos werden ausgeschlachtet und liegen damit vorerst auf Halde.

Foto: Skarics

Etwas mehr als die Hälfte aller ausgemusterten Autos findet den Weg in den Recyclingkreislauf, der Verbleib der restlichen Fahrzeuge ist ungeklärt.

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Unser Umgang mit alten Autos hat sich nicht erst seit Einführung der Verschrottungsprämie stark geändert. Das hängt zum einen damit zusammen, dass sich die technische Zusammensetzung der Werkstoffe verändert hat, zum Zweiten wird weniger repariert als früher. Einerseits, weil es wegen der Elektronik für Bastler immer schwieriger wird, erfolgreich Hand anzulegen, andererseits, weil bei Werkstattkosten in der Größenordnung von 100 Euro pro Stunde schnell einmal der Zeitwert überschritten wird.

Doch der allerwichtigste Grund, und man möchte es kaum glauben: Die Autos sind generell besser geworden. Vor dreißig Jahren war eine Laufleistung von 200.000 Kilometer schon eher die Obergrenze, heute kann man fast sicher davon ausgehen, dass dieser Wert deutlich überschritten wird. Und nicht zu vergessen: Wurden früher Autos oft schon nach wenigen Jahren vom Rost hinweggerafft (über manche Marken sagte man damals, sie rosteten schon auf dem Prospekt), ist Rost heute im Wesentlichen kein Thema mehr.

So ist im Zuge der rasanten Autovermehrung das Durchschnittsalter der Fahrzeuge immer weiter angestiegen, in den vergangenen zwanzig Jahren um etwa zwei Jahre. In Deutschland liegt es mittlerweile bei knapp acht Jahren, in Österreich immer etwas darüber. Über den Sinn der Verschrottungsprämie lässt sich trefflich streiten.

Kurzfristiger Impuls

Möglicherweise ist der Impuls für die Autowirtschaft nur sehr kurzfristig. Österreichs größter Autozerstückler, der Shredder in Laxenburg, hat derzeit jedenfalls Hochbetrieb. Hier werden Autos herangekarrt, von denen man nicht zwangsweise annehmen würde, dass sie jetzt schon ihren letzten Weg gehen. Sie werden trockengelegt, Batterie raus, Räder weg, Katalysator raus und ab in die Mühle, wo das Auto in lauter kleine Fetzerln zerrissen wird. Mit zum Teil geheimen Verfahren werden die Stücke dann sortenrein getrennt.

Bestand ein Auto 1975 noch zu 75 Prozent aus Stahl, waren es im Jahr 2000 nur mehr 59 Prozent. Vor allem der Anteil von Aluminium und Kunststoff hat sich signifikant erhöht. Am deutlichsten ist aber der Rest (wird verbrannt oder deponiert) angestiegen. Er hat sich von sechs auf 14 Prozent mehr als verdoppelt. Einen höheren Verwertungsgrad könnte man durch das klassische Ausschlachten erreichen. Doch während die eben beschriebene Trockenlegung Kosten in der Größenordnung von 100 Euro hervorruft, sind für ein penibles Zerlegen schon etwa das Zehnfache zu veranschlagen. Das will erst einmal mit dem Verkauf von gebrauchten Ersatzteilen hereingespielt werden. An der Firma Metzker, ebenfalls südlich von Wien ansässig und seit den Fünfzigerjahren darauf spezialisiert, läuft das Geschäft mit dem Verschrotten sozusagen außen vorbei.

Einen Effekt hat die Verschrottungsprämie auf jeden Fall: Da man nur in den Genuss der Prämie kommt, wenn das Auto auch tatsächlich gleich verschrottet wird, stockt der Export von Altautos in den Osten und Südosten. Man bedenke nämlich, dass 2005 in Österreich nur 90.000 Autos den Weg in den Recyclingkreislauf fanden. Der Verbleib der restlichen 160.000 ist ungeklärt. Seit 2007 ist der letzte Weg unserer Autos aber in der Altfahrzeug-Richtlinie der EU geregelt. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/17.4.2009)