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Sir Alex Ferguson (67) coacht ManU seit 1986.

Foto: APA/EPA/Haroun

Porto/Manchester - "Es war ein unglaublicher, fantastischer Schuss, ein sensationelles Tor. Ich muss lange nachdenken, um mich an einen noch schöneren Treffer zu erinnern." Alexander Chapman Ferguson war außer sich, nachdem Cristiano Ronaldo Manchester United am Mittwoch mit aller Gewalt und allem Gefühl, das dem rechten Fuß des 24-jährigen portugiesischen Weltfußballers innewohnt, gegen den FC Porto ins Semifinale der Champions League geschossen hatte.

Der Titelverteidiger zog trotz des eher enttäuschenden 2:2 im Heimspiel sowie dank des 1:0-Auswärtssieges in die Vorschlussrunde ein, in der Arsenal wartet. Und Sir Alex, wie Alexander Chapman Ferguson seit seinem 1999 erfolgten Ritterschlag genannt wird, hat weiter alle Chancen, als erster Coach überhaupt zum dritten Mal nach Durchmessung des Schlaraffenlandes des europäischen Klubfußballs die einschlägige Trophäe zu stemmen.
Exakt 36,6 Meter betrug vor dem Schuss Ronaldos Entfernung zum Tor, mit 104,6 km/h überwand der Ball die Strecke.

Aber die Schönheit, die Ferguson meint, lässt sich nicht messen. Also kramt der 67-jährige Schotte, der seit 1986 die sportlichen Geschicke von Manchester United bestimmt, in seinen Erinnerungen. Vielleicht taucht da auch der Name Ferguson auf, Alexander Chapman Ferguson, der einst selbst nicht wenige Tore schoss - zwischen 1957 und 1974 insgesamt 167 Stück für sechs schottische Klubs.

Von jeher alle Anlagen

Ferguson habe eine Menge Tore erzielt, "weil er die Situationen richtig analysieren und Spielzüge vorausahnen konnte. Außerdem hatte er immer schon Führungsqualitäten und war sowohl psychisch wie auch physisch sehr stark" , sagt Andy Roxburgh, der technische Direktor der Uefa, über seinen ehemaligen Mannschaftskollegen bei Falkirk.

Diese Qualitäten haben Ferguson, verheiratet mit (Lady) Cathy und dreifacher Vater sowie Großvater, auch zum erfolgreichsten Trainer aller bisherigen Zeiten gemacht. Insgesamt 42 Titel hat er schon gewonnen. Zwei davon (englischer Ligacup, Weltpokal) sind ganz frisch und sollen die Anzahlung gewesen sein auf die perfekte Saison von Manchester United. Die "roten Teufel" streben noch ihren zwölften FA-Cup (Semifinale am Samstag gegen Everton), ihre 18. englische Meisterschaft und eben die dritte Champions League an, also das Quintuple.

Rotweinliebhaber und Golfer Ferguson hätte selbst im Idealfall noch nicht genug vom Fußball. Ja, er fühlt sich gar nicht imstande zurückzutreten. "Ich bin wie der Tempelwächter" , sagte er in einem Interview mit L'Équipe. Während 23 Jahren sei es immer sein Motto gewesen, den Perfektionismus nie zu verlieren. "Ich bin so lange auf dem Zug gesessen, dass ich fürchte, mein System wird zusammenbrechen, wenn ich aussteige." Aber ewig, das weiß Ferguson, kann auch er nicht auf der Bank sitzen: "Ich bestreite das Elferschießen meiner Trainerkarriere." Manche Treffer erleichtern ihm dieses Wissen ungemein. (lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 17.4. 2009)