"Es gibt die krausesten Ideen was die Fachhochschulen anlangt."

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Die österreichischen Fachhochschulen werden ab dem Studienjahr 2009/2010 mit einer längst fälligen Erhöhung der Studienplatzfinanzierung von Seiten des Bundes um 13,7 Prozent rechnen können. Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) bestätigte dies auch im Rahmen des dritten Forschungsforums der Fachhochschulen. „Im Lichte der jüngsten Ereignisse“ sollten die Fachhochschulen froh über diese Erhöhung sein. Mit Einschränkungen wird man am Fachhochschul-Sektor in den nächsten Jahren trotz allem konfrontiert sein, denn ein quantitativer Ausbau werde nicht mehr möglich sein, kündigte Hahn an. Was der Präsident der Fachhochschulkonferenz, Werner Jungwirth, von diesen Entwicklungen hält, erzählte er derStandard.at am Rande des Forschungsforums.

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derStandard.at: Für die Fachhochschulen wird es ab nächstem Jahr eine Anhebung der Studienplatzfinanzierung von Seiten des Bundes um 13,7 Prozent geben. Seit 1993 wurde dieser Beitrag allerdings nie valorisiert, im Nationalrat war auch eine Erhöhung um 34 Prozent angedacht. Sind Sie mit dem Ergebnis jetzt zufrieden?

Jungwirth: Wenn das jetzt nicht noch durch irgendwelche Nebenbedingungen wie eine Lohnsteuerregelung geschmälert wird, dann kann man damit auskommen. Wir haben diesen Betrag oder diesen Prozentsatz, der natürlich nur eine Teil-Valorisierung ist, wenn man es auf die Inflation umlegt, seit drei Jahren verhandelt. Das ist schon die dritte Bundesregierung und der zweite Minister, mit dem wir diesen Beitrag verhandelt haben. Wir haben voriges Jahr im September mit Molterer und Hahn gesagt: wenn wir das ohne wenn und aber kriegen, dann können wir damit leben.

Die Studienplatzfinanzierung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir sind aber noch nicht am Ende. Das betrifft nämlich nur den normalen Studienbetrieb. Wenn es um Forschungsaktivitäten geht, werden wir um zusätzliche Mittel nicht herumkommen.

derStandard.at: Woher bekommen Sie die dann?

Jungwirth: Das ist eine Frage, die auch die Forschungsförderungsgesellschaft betrifft. Es klingt immer so wunderbar, aber bei allen Programmen gibt es ja immer einen Eigenanteil der so um die 25 Prozent liegt. Wir haben eben keine Eigenmittel, weil wir die Mittel ja für die Lehre bekommen. Da wird es sicher notwendig sein, dass sich etwas ändert.

derStandard.at: Die Befürchtung, wie jene von Erhard Busek, der selbst Rektor an der FH Salzburg ist, dass in Zukunft „qualitätsvolles Arbeiten an den Fachhochschulen nicht mehr möglich ist“, teilen Sie nicht?

Jungwirth: Es gibt die krausesten Ideen was die Fachhochschulen anlangt. Wenn man uns alles vorwerfen kann als Fachhochschulen, aber, dass wir nicht flexibel, dynamisch und schnell sind, das sicher nicht. Wir sind in einer Art Verdrängungswettbewerb geboren worden. Am Anfang waren wir unter der Wahrnehmungsgrenze, da war es kein Problem. Dann, mit zunehmendem Wachstum und Erfolg, wurden wir natürlich auch als Konkurrenz gesehen und daher gab es einige falsche Entwicklungen. Ich sehe trotzdem durchaus optimistisch in die Zukunft. Wenn allerdings irgendjemand doch die Idee verwirklichen will, dass Universitäten Fachhochschulen betreiben – diese Geschichte geistert schon sehr lange herum – dann werden wir uns natürlich wehren müssen. Es wird auch nicht gehen, dass von den Fachhochschulen eines Tages verlangt wird, nur mehr Bachelorstudien anzubieten und die Master- und Doktorratsprogramme den Universitäten zu überlassen. Das wäre dann ein Wettbewerb mit ungleichen Mitteln.

Im Gegensatz zu den Universitäten, die gänzlich vom Bund finanziert werden, haben wir an den Fachhochschulen nur eine studienplatzbezogene Finanzierung. Wir müssen uns zwangsläufig mit den Universitäten um die Studierenden matchen. Wenn wir keine Studenten haben, bekommen wir kein Geld. Die anderen bekommen Geld, egal wie viele Studierende sie haben.

derStandard.at: Kommt es dennoch zu einer Annäherung zwischen Fachhochschulen und Universitäten?

Jungwirth: An den Universitäten sind hochintelligente Menschen und die sehen natürlich, dass das bei uns gut funktioniert. Und von einem gut funktionierenden Modell kann man ja das eine oder andere lernen. Um es positiv zu sagen. Diese sehr starre Front und Abwehrhaltung von den Universitäten weicht langsam auf. Wir arbeiten schon daran, kooperative Ausbildungsmodelle zu machen. Das ist aber natürlich alles sehr personenbezogen. Das können Sie nicht verordnen und wahrscheinlich ist es auch ein Generationenproblem.

derStandard.at: Was unterscheidet denn die Fachhochschulen noch von den Universitäten?

Jungwirth: Der große Unterschied ist der, dass wir eine Ausbildung für ganz konkrete Berufsbilder anbieten. Es ist unser großer Vorteil, oder der unserer Absolventen, dass sie eins zu eins einsetzbar sind. Dann machen wir an den Fachhochschulen relevanzorientierte Forschung. Projekte müssen einen wirtschaftlichen Nutzen haben, einen gesellschaftliche Relevanz haben, damit sie umgesetzt werden. Da ist auch ein wesentlicher Unterschied zu den Universitäten gegeben.

Die Studienstruktur ist durch Bologna bis zu einem gewissen Grad vorgegeben und angeglichen. Ich glaube trotzdem nicht, dass wir als Fachhochschulen jemals anstreben werden zum Beispiel Doktorratsstudien anzubieten. Auf der anderen Seite müssen wir sicherstellen, dass unsere Absolventen, wenn sie das wollen, auch dissertieren können.

derStandard.at: Wissenschaftsminister Hahn hat quasi einen quantitativen Ausbau-Stopp der Fachhochschulen verhängt, um die Qualität der Studiengänge weiterhin gewährleisten zu können. Eine Maßnahme, der Sie etwas abgewinnen können?

Jungwirth: Das ist ein Punkt, den ich nicht akzeptieren kann, insofern, als es immer eine Planung und Perspektive geben muss. Man kann nicht sagen: es geht nichts mehr. Dann fehlen auch die Perspektiven. Wenn es einen Fachhochschulentwicklungsplan gibt, wo drinnen steht, dass es 2009 und 2010 kein Geld für den Ausbau gibt, aber die anschließenden Jahre dann schon wieder, ist das in Ordnung. Eine Perspektive muss man verlangen können und da werde ich Minister Hahn auch sicher nicht in Ruhe lassen.

derStandard.at: An den Universitäten wurden die Studiengebühren weitgehend abgeschafft. Ein Wettbewerbsnachteil für die Fachhochschulen?

Jungwirth: Persönlich bin ich ja nach wie vor der Meinung, dass man sie nicht abschaffen hätte müssen, weil alle, die das Geld brauchen, die Gebühren sowieso rückerstattet bekommen. Das war und ist leider immer ein parteipolitisches Instrument gewesen. Wie sich die weitgehende Abschaffung an den Unis auf die Fachhochschulen auswirkt: ich weiß es nicht. Aber erfreulich ist das sicher nicht. (Teresa Eder/derStandard.at, 17.4.2009)