Auch wenn so mancher Bürger Wahlen (und vor allem Wahlkämpfe) vielleicht lästig findet: Sie bringen die Politik in Bewegung. Nicht erst danach, wenn sich die Mehrheitsverhältnisse geändert haben, sondern vor allem vorher, wenn den Menschen das Leben mit Wahlzuckerln versüßt wird. Vorbildlich veranschaulicht wird das derzeit am Beispiel des Wiener Kindergartens, der ab Herbst für praktisch ausnahmslos alle gratis sein soll. Plötzlich ist es möglich, 80 Millionen Euro dafür in die Hand zu nehmen; plötzlich traut sich die Stadt - also die SPÖ - den organisatorischen Kraftakt zu, mit den rund 200 Trägern eine Vereinbarung zu finden, von der alle Kinder profitieren. Das ist, Wahlzuckerl hin oder her, eine gute Sache.

Die politischen Nebengeräusche verstören dennoch. Zum Beispiel, dass Stadtrat Christian Oxonitsch nun in Richtung Bund die Hand aufhält. Der gewährt nämlich Extra-Geld für das verpflichtende letzte Kindergartenjahr, das die Bundesregierung den Ländern oktroyiert. Und die Wiener finden selbstredend, dass die 14 Millionen Euro, die sie heuer aus diesem Topf bekommen sollen, zu wenig sind.

Dabei fallen die Kindergärten zur Gänze in Länderkompetenz, und das ist den Zuständigen sicher nicht unrecht: Das bedeutet budgetäre und organisatorische Freiheiten, da werden unzählige Jobs vergeben, da können Lokalpolitiker Kindergärten ausbauen und freundlich lächelnd eröffnen. Aber bitte auf eigene Rechnung - schließlich geht es auch um den eigenen Wahlerfolg. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.4.2009)