Wien - Die Rahmenbedingungen für Studierende aus Entwicklungsländern sind in Österreich nach wie vor schwierig. Administrative Hürden etwa bei der Beschaffung von Visa oder der Heimplatzsuche und auch Restriktionen beim Fremden- und Sozialversicherungsrecht erschweren das Studium an den heimischen Hochschulen. Trotz einiger Fortschritte blieben Hemmnisse feststellbar, beklagten Vertreter des "Runden Tisch - Bildungszusammenarbeit" (BZA) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Dabei nimmt die Zahl der Studierenden aus Entwicklungs- und Schwellenländern kontinuierlich zu.

Mehr Förderung vor Ort

Im Wintersemester 2007/08 kamen rund 13.000 Studierende aus Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem aus osteuropäischen Ländern, zum Studium an eine österreichische Universität oder Fachhochschule. Allerdings ortet Erich Thöni, Vorsitzender des Runden Tisches, einen Paradigmenwechsel bei der Entwicklungszusammenarbeit. Die Förderung von Studierenden und Wissenschaftern aus Entwicklungs- und Schwellenländern in Österreich habe in jüngster Vergangenheit deutlich abgenommen und heimische Aktivitäten der Entwicklungszusammenarbeit haben sich eher in die betroffenen Länder selbst verlagert. Somit mangle es auch an Unterstützung, die Hochschulen bei ihrer Internationalisierung zu unterstützen. "Denn dazu zählt auch der Beitrag der Studierenden aus Entwicklungsländern", so Thöni. Wünschenswert sei eine bessere Abstimmung des Außenministeriums mit den Universitäten, Fachhochschulen und anderen Ministerien.

Vielzahl finanziert sich selbst

Rund 90 Prozent der Studierenden aus Entwicklungsländern sind laut BZA-Vertretern sogenannte Free Movers, also Studierende, die sich ihr Studium in Österreich selbst finanzieren. Eine weitere Reduktion von heimischen Fördermaßnahmen würde "die entwicklungspolitische Glaubwürdigkeit in Schieflage bringen": Denn von jenen, die ihr Studium selbst zahlen, werden die indirekten Studienplatzkosten in die Statistik der öffentliche Entwicklungszusammenarbeit Österreichs eingerechnet.

Institutionalisierung gefordert

Die BZA-Vertreter fordern eine "kohärente Politik der internationalen Bildungs- und Wissenschaftskooperation". Neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Studierenden und einer besseren nationalen Abstimmung sei es auch notwendig, eine Institutionalisierung und "bessere Verankerung der Bildungspartner" im Rahmen der Kooperation zwischen heimischen Hochschulen und Einrichtungen in Zielländern voranzutreiben.

Der "Runde Tisch - Bildungszusammenarbeit" ist ein Zusammenschluss von Vertretern öffentlicher und zivilgesellschaftlicher Einrichtungen. Darunter sind vier Ministerien (Wissenschaft, Außen- und Innenressort, Soziales) und Einrichtungen wie die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko), die Österreichische Fachhochschulkonferenz (FHK) und der Österreichischen Austauschdienst (OeAD-GmbH). (APA)