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Schachmatt: Den Atomvertrag von 1978 unterschrieben Schah Reza Pahlevi und US-Präsident Jimmy Carter (mit Gattinnen) nicht mehr.

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Richard Nixon mit Golda Meir;

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Gerald Ford mit Kabinettschef Donald Rumsfeld (li.) und dessen Assistent Dick Cheney.

Foto: White House Courtesy Gerald Ford Library

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Henry Kissinger als Bauchtanzfan in Teheran.

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"No Government of Iran official has satisfactorily explained ... Niemand in der iranischen Regierung hat bisher zufriedenstellend erklären können, wie der Iran in den kommenden zwanzig Jahren zusätzliche 23.000 Megawatt Strom absorbieren soll. Aber allein die Tatsache, dass der Schah ein lebendiges Interesse an jedem Schritt des Programms zeigt, ist ein klarer Hinweis darauf, dass Atomenergie auf der Prioritätenliste der Nation ganz oben steht ..."

So kabelt der stellvertretende US-Missionschef in Teheran, Jack Miklos, am 17. Juli des Jahres 1975 nach Washington. In diesem mit „secret" bezeichneten Dokument merkt der Diplomat nüchtern an, dass das Interesse des Schahs von Persien, Mohammed Reza Pahlevi, an Atomtechnologie und Plutonium wohl zumindest teilweise damit zusammenhänge, dass sich der US-amerikanische Verbündete die nukleare Option offenhalten wolle, „should the region's balance of power shift toward the nuclear", sollte der Atom(waffen)zug in der Region abfahren.

Vordergründig war es jedoch ein riesiges Elektrizitätsprojekt, 23.000 MW mehr für die Iraner.
Zu dieser Zeit hatte Indien seine Bombe bereits getestet, Israel nach dem arabischen Überfall des JomKippur-Kriegs 1973 den Einsatz seiner Atomwaffen erwogen, in Ägypten gab es noch starke Vertreter der militärischen Atomoption, und Pakistan war auch schon an der Arbeit (bis zum ersten Test sollte es jedoch noch dauern).

1975 hatte der Herrscher auf dem Pfauenthron bereits gelernt, dass es sogar für ihn eine Sprachregelung gab. Nach der indischen „friedlichen nuklearen Explosion" im Mai 1974 - von der US-Präsident Richard Nixon, drei Monate vor seinem Rücktritt, völlig überrascht worden war - hatte der Schah in einem Interview mit dem französischen Magazin Les Informations am 23. Juni auf die Frage, ob der Iran sich Atomwaffen anschaffen werde, noch entwaffnend ehrlich geantwortet: „zweifellos, und früher als man glaubt."

Die Relativierung der iranischen Botschaft in Paris folgte auf dem Fuße, „HIM (His Imperial Majesty)" habe gemeint, dass Iran nicht daran denke, Atomwaffen zu bauen, aber seine Politik revidieren könnte, sollten es andere Nichtatomwaffenstaaten tun. In einem Interview mit Le Monde am nächsten Tag nannte der Schah das atomare Wettrüsten „lächerlich".

35 Jahre später sind wir mitten im Streit um das Atomprogramm der Islamischen Republik Iran, des „Mullah-Regimes", wie es in den Medien heißt - was den willkommenen Nebeneffekt hat, dass so die iranischen nuklearen Ambitionen automatisch in die Nähe von „islamisch" rücken, und weg von Sicherheits- oder auch Hegemoniefragen, wo sie zutreffender anzusiedeln wären.

Damals wie heute sahen die Iraner den Besitz von Atomtechnologie als einen legitimen nationalen Anspruch. Wie war das aber „damals" wirklich? Unterschiedliche Behauptungen über die Vergangenheit vernebelten während der letzten Jahre den Diskurs über die Gegenwart, wobei auch damalige Akteure zur Verwirrung beitrugen, wie zu sehen sein wird.

Was wollte der Schah?

Verschiedene Fragen sind möglich. Erstens: Was wollte der Schah wirklich und warum? Nicht leicht zu beantworten. Zweitens, und für die Gegenwart relevanter: Wie ging die USA mit seinen Wünschen um, was spielte sich hinter den Kulissen ab, bis 1978 ein Vertrag - der dann nie unterschrieben werden sollte - ausgearbeitet war, unter dem die US-Firmen General Electric und Westinghouse dem Iran in den kommenden Jahren acht Reaktoren hinstellen sollten. Und auch in Deutschland und Frankreich kaufte Teheran ja Nukleartechnologie. Gab es keinerlei Bedenken, dass aus dem zivilen Programm ein militärisches werden könnte, wie es Indien vorgemacht hatte, das Kanadas nukleare Zusammenarbeit ausgenützt hatte?

Hilfe beim Weg aus der - vielleicht manchmal politisch gewollten - Geschichtsvergessenheit kommt wie so oft aus den USA. Im Rahmen des Nuclear Documentation Project des National Security Archive der George Washington University hat sich der Historiker William Burr mit den amerikanisch-iranischen Atomverhandlungen in den 1970er-Jahren beschäftigt und etliche Dokumente veröffentlicht und analysiert.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die USA steigen dabei durchaus ehrbar aus, was ihre damaligen „proliferation concerns", die Sorge vor der Verbreitung von Atomwaffen, betrifft. Es ist keine Rede davon, dass - wie manchmal kolportiert wird - die US-Regierungen Richard Nixon, Gerald Ford und Jimmy Carter dem (zunehmend aus dem Takt geratenden) Verbündeten in Teheran alles gegeben hätten, was er nur wollte - und es auch zufrieden gewesen wären, vielleicht sogar begrüßt hätten, wenn der Schah, das Bollwerk gegen den Kommunismus in der Region, in den Besitz von Atomwaffen gelangt wäre. Die deklassifizierten Dokumente widersprechen dem eindeutig.

Wie kommt es zu diesen Behauptungen? Vom eingangs zitierten Kabel ist abzulesen, dass die USA 1975 die gleiche Frage stellten, die von jenen, die heute das iranische Urananreicherungsprogramm bekämpfen, als Hauptargument benützt wird: Wozu braucht ein Land, das so viel Öl hat, überhaupt Atomenergie? Im Unterschied zu heute ließen sich jedoch in den 1970ern die USA von den iranischen Gründen „überzeugen". Da waren wohl die guten Geschäfte ausschlaggebend - und dass es sich um einen Alliierten handelte.

An der Mär, es habe damals keine Proliferationsbedenken gegeben, hat ausgerechnet einer der Hauptbeteiligten kräftig mitgestrickt: Henry Kissinger, Nationaler Sicherheitsberater 1969 bis 1973, danach bis 1977 Außenminister. Er hat im März 2005 auf die Frage der Washington_Post-Journalistin Dafna Linzer die vielzitierte Antwort gegeben: „Ich denke nicht, dass über das Thema Proliferation geredet wurde", damals, während der Atomverhandlungen mit dem Iran in den 1970er-Jahren.

Linzer hatte Kissinger danach gefragt, weil dieser kurz zuvor, ebenfalls in der Washington Post, einen Kommentar geschrieben hatte, in dem stand: „Für einen großen Ölproduzenten wie Iran ist Atomenergie eine Ressourcenverschwendung." Aha, für den Mullah-Iran schon, und für den Schah-Iran nicht? Wobei die Sache noch schöner wird, wenn man bedenkt, dass die Herren Dick Cheney, Donald Rumsfeld (von Nixon als „ruthless little bastard", skrupelloser kleiner Bastard, bewundert) und Paul Wolfowitz damals allesamt schon hohe Positionen innehatten und von ihnen aus jener Zeit kein „Iran braucht das nicht" überliefert ist, wie sie es 30 Jahre später predigen sollten.

Vergesslicher Zeitzeuge

Daraus zu schließen, die USA hätten nicht daran gedacht, dass der Zugriff Teherans auf Atomwaffen verhindert werden müsse, ist trotzdem falsch. Die jetzt freigegebenen Dokumente widersprechen Kissinger, von dem folgendes Zitat aus dem Jahr 1977 aufgetaucht ist: "Wir sollten Himmel und Erde in Bewegung setzen (um die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern). Auch wenn wir nur zehn Jahre gewinnen, ist es das wert."

Aber warum sagt Kissinger dann 2005 zur Washington Post, dass nicht einmal darüber geredet wurde? Strenggläubige Oral-History-Anhänger, die meinen, es genüge, einem sogenannten "Zeitzeugen" ein Mikro vor die Nase zu halten, um die historische „Wahrheit" zu erfahren, werden enttäuscht von William Burrs Interpretation sein, die er im Telefongespräch mit dem Standard offeriert: „Ich glaube, er hat es einfach vergessen." Fürwahr die wahrscheinlichste Erklärung, wenn man bedenkt, dass Kissinger allerbeste Figur gemacht hätte, wenn er 2005 - wahrheitsgetreu - zu Linzer gesagt hätte: "Wir haben uns damals Sorgen gemacht, und wir machen sie uns heute."

Aber wie gesagt, die Sorgen der USA reichten nicht aus, um sich nicht von den iranischen Argumenten überzeugen zu lassen. Anfang der 1960er-Jahre gab es im Iran etwa eine halbe Million Stromanschlüsse, Mitte der 1970er waren es bereits zwei Millionen. Ein rasanter Bevölkerungszuwachs, eine forcierte Entwicklung und dazu nichterneuerbare, schnell schwindende Energiequellen ließen die Hinwendung zur Atomenergie fast logisch erscheinen.
Und so taucht es dann auch folgsam in einem US-Bericht auf: Iran bereite sich eben auf andere Zeiten vor, in ungefähr "15 Jahren, wenn die Ölproduktion drastisch abnehmen wird". Das musste man verstehen, und das Verständnis hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass gute Geschäfte in Aussicht standen. Auf 6,4 Milliarden Dollar lautete der spätere Vertrag.

Ob Israel, selbst seit den späten 1960ern Atomwaffenstaat, mit all dem Freude gehabt hat? Gewiss nicht, sagt Burr. Aber auch da kann die Sorge nicht determinierend für den Umgang mit Teheran gewesen sein. Sonst wäre schwerlich eine iranisch-israelische Zusammen_arbeit bei der Herstellung der modifizierten israelischen Jericho-Rakete (Project Flower), die zur Ausstattung mit nuklearen Sprengköpfen taugte, diskutiert worden, bei einem Treffen im Juli 1977 zwischen Israels Verteidigungsminister Ezer Weizmann und dem iranischen Vizekriegsminister Hasan Toufanian.

Heute ist ja die iranische Raketenentwicklung für viele Militäranalytiker ein mindestens ebenso sprechender Hinweis auf die iranische Lust auf Atomwaffen wie das iranische Atomprogramm selbst (ebenso ist es im Fall Nordkorea).

Wenn schon Israel aufs Tapet kommt, soll erwähnt werden, dass die USA auch über die israelische Atombewaffnung keineswegs erfreut gewesen waren. Für die USA stellte sich in den 1960er-Jahren - einer Zeit, in der man versuchte, Atomwaffenstaaten und Nichtatomwaffenstaaten in ein Regelwerk einzubinden, den späteren Atomwaffensperrvertrag - auch die Frage, „wenn die USA das kleine Israel nicht beeinflussen konnten, sich keine Atomwaffen anzuschaffen, wie sollten sie dann die Deutschen und andere Nationen überzeugen, darauf zu verzichten?" (William Burr und Avner Cohen im Bulletin of the Atomic Scientist im Mai 2006). Andererseits, bei Israels Geschichte und der Gegenwart - der ständigen Bedrohung durch die arabischen Staaten - war der Abschreckungswunsch nur zu verständlich.

Inspektionen in Dimona

Die Regierungen von Robert F. Kennedy und Lyndon B. Johnson versuchten dennoch, mit einem ausgeklügelten Inspektionsschema zu verhindern, dass Israel in seinem Reaktor in Dimona seine  eigenen militärischen Wege ging. Vergeblich. Kurzfristig wurden _in Washington noch Druckmittel überlegt, zum Beispiel, die Lieferung von F-4-Kampfjets an Israel „zu überdenken". Laut Burr/Cohen ist davon auszugehen, dass Israels Ministerpräsidentin Golda Meir US-Präsident Richard Nixon im September 1969 bei einem Gespräch vom Faktum der israelischen Atombewaffnung informierte. Und Ende der Debatte.

Zurück zum Iran, fünf, sechs Jahre später. Das Bewusstsein in Washington, wie heikel eine nukleare Zusammenarbeit mit Teheran sein würde, war hoch. Da war zuerst einmal die Optik: Nach den schlechten kanadischen Erfahrungen mit Indien würde es so aussehen, als ob die USA eine ähnliche Situation im Iran in Kauf nähmen. Und eine US-Hilfe für Teheran würde Pakistans nukleare Ambitionen auch eher antreiben als bremsen.

Selbst wenn die USA später vom schnellen Verlauf der Islamischen Revolution 1979 überrascht wurden - Präsident Jimmy Carter hatte Ende Dezember 1977 bei seinem Staatsbesuch in Teheran Iran immerhin noch eine „Insel der Stabilität" genannt -, so gab es dennoch bereits 1974 ganz spezifische Sicherheitsbedenken. Sie könnten aus der heutigen Pakistan-Diskussion stammen: „Heimische Dissidenten oder ausländische Terroristen könnten leicht in Besitz von im Iran befindlichem speziellem Atommaterial kommen und es in Bomben benützen", zitiert Burr in The Nuclear Vault (Der nukleare Sprung, Irans Atomprogramm 1947 bis 1978) ein Dokument.

Oder: „Ein aggressiver Nachfolger des Schahs könnte Atomwaffen für das geeignete Instrument halten, um Irans totale militärische Dominanz in der Region zu etablieren." Daraus ist jedoch nicht abzulesen, ob der US-Außenministeriumsbeamte, der das 1974 schrieb, an einen Putsch oder an einen wild gewordenen dynastischen Erben des Schahs dachte. Die „aggressiven Nachfolger" von 1979 hatten sich jedenfalls erst einmal ihrer Haut zu wehren, nach dem irakischen Überfall auf den Iran, der im Westen zufrieden hingenommen wurde. Die hegemonialen Wünsche des Iran bekamen erst 2003 ernsthaften Auftrieb: nachdem die USA im Nachbarland Irak Saddam Hussein gestürzt hatten.

Die Sorgen 1975 betrafen aber sehr wohl auch die Absichten des Schahs selbst. Als die Techniker vom Oak Ridge National Laboratory die Pläne zu Gesicht bekamen, die Iran für sein Esfahan Nuclear Technology Center vorlegte, läuteten sie die Alarmglocken: Das war eine Anlage, die so groß und so gut ausgestattet sein sollte, dass Plutoniumwiederaufbereitung dort zweifellos technisch machbar war (damals ging es um Plutonium, das aus dem Reaktorbetrieb gewonnen und wiederaufbereitet hätte werden können, nicht wie heute, um Urananreicherung).

Also kam die US-Administration zum Schluss: Atomkraftwerke ja, aber mit strenger US-Kontrolle darüber, was der Iran mit dem Plutonium macht, worauf aus Teheran genau jene Töne kamen, die uns heute zur Urananreicherung geläufig sind: „Iran hat das volle Recht, selbst zu entscheiden etc." Das Gezerre konnte beginnen.

Der Schah sah sich dabei US-Administrationen gegenüber, die nacheinander immer Non-Proliferation-bewusster wurden. Richard Nixon, der Verbündete des Iran ohne Wenn und Aber, wurde im August 1974 von Gerald Ford abgelöst, der die Verhandlungsposition mit dem Iran entwarf: Es ging darum, die guten Beziehungen - und die guten Geschäftschancen - zu wahren, jedoch dem Iran Auflagen zu verordnen, die genügend streng waren, dass der Kongress einen Deal mit Teheran akzeptieren würde, schreibt Burr im Jänner 2009 in einem Artikel im Bulletin of the Atomic Scientist.

In der Praxis lief alles auf ein amerikanisches Vetorecht darüber hinaus, was der Iran mit seinen gebrauchten Brennstäben machen konnte. Den iranischen Einwänden, man werde als Staat "zweiter Klasse" behandelt, was das Recht auf Nukleartechnologie betrifft - und das ist die gleiche Klage wie heute -, wollten die USA entgegensetzen, dass es sich um einen "neuen Standard" zukünftiger Kooperationsabkommen auch mit anderen Ländern handelte.

Interessant sind die damaligen Diskussionen um multinationale Modelle von Wiederaufbereitung, mit dem Ziel, sie nicht allein in den Händen des Iran zu lassen. Dabei wurde - strategisch-intellektueller Super-GAU - übrigens auch eine iranisch-pakistanische Variante angedacht. Dabei musste damals schon ziemlich klar sein, dass Pakistan dem indischen Beispiel folgen würde.
Aber abgesehen davon: Die Debatte über "Konsortien", die reaktorbetreibenden Ländern Nuklearbrennstofflieferungen garantieren - und damit die Brennstoffproduktion aus den einzelnen Ländern wegbringen sollen -, gibt es heute wieder.

"Stilles Veto" der USA

Die Verhandlungsposition wurde von Kissinger im National Security Decision Memorandum am  22. April 1975 ausformuliert, kurz danach begannen die Gespräche. Die USA bestanden auf ihr "stilles Veto" - in dem Sinn, dass sie mit allen Formen einer Wiederaufbereitung des Plutoniums einverstanden sein mussten. Neben multilateralen Lösungen war auch „buy back" eine Option: Die USA würden abgebrannte Brennelemente zurücknehmen und dafür bezahlen oder frische liefern. Das ist heute Standard.

Teheran wollte hingegen mehr Unabhängigkeit in seinen Entscheidungen und berief sich auf seine Rechte unter dem Atomwaffensperrvertrag. Man wolle sich nicht von "nuclear-have nations" die Bedingungen vorschreiben lassen. Und als sich die iranische Front etwas aufzuweichen schien, stand in den USA bereits der Präsidentschaftswahlkampf vor der Tür. Die Kritik des Herausforderers Jimmy Carter an Fords Non-Proliferation-Politik zwang diesen zu einer noch strengeren Linie. Die Verhandlungen stockten.

Carter war dann tatsächlich derjenige, der den Deal nach Hause brachte: Der Schah hatte zuvor explizit versichert, kein Interesse mehr an Wiederaufbereitung zu haben. In Washington glaubten ihm das nicht alle. Aber jetzt war es nun einmal so: Die USA würden dem Iran Reaktoren liefern, mit genügend Auflagen, um ein militärisches Programm auszuschließen. Der Vertrag, fertig im Sommer 1978, wurde jedoch nicht mehr unterzeichnet. Die Vorläufer der Revolution waren jetzt unverkennbar: Der Umsturz kam schnell, im Jänner 1979 verließ der Schah den Iran, im Februar wurde die Revolution islamisch.

Das war nur wenig mehr als ein Jahr, nachdem der erste US-Präsident der Geschichte die Silvesternacht außerhalb des Weißen Hauses verbracht hatte - ausgerechnet in Teheran. Damit galt das Verhältnis zwischen Carter und dem Schah als repariert, hatte dieser doch während des US-Wahlkampfs ganz unverhohlen seine Sympathien für den Republikaner Ford gezeigt - und nicht nur wegen der Erwartung, mit diesem leichter einen Atomdeal zu erreichen.

1979 war dann alles aus

Mit dem islamischen Iran wollten sie dann allesamt nichts mehr zu tun haben. Auch die Franzosen und Deutschen stiegen sofort aus ihren Verträgen aus: ohne ihren rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen oder bereits getätigte iranische Zahlungen zu refundieren, wie man in Teheran immer wieder hören kann. Und nach dem „Saure-Trauben-Prinzip" war fortan im Iran erst einmal alles Atomare ein „Teufelswerk".

Das änderte sich nicht: wachsende Bevölkerung, schwindendes Öl, Bedarf an Devisen. Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani unterzeichnete 1989 einen Vertrag mit der Sowjetunion, die den von den Deutschen vor 1979 begonnenen Reaktor in Bushehr fertigbauen sollte. 2009, dreißig Jahre nach der Revolution, ist es so weit, das Kraftwerk soll heuer ans Netz gehen, betrieben mit überteuert eingekauftem russischem Brennstoff. Die Technologie zur Brennstoffproduktion schafft sich der Iran gerade an. Die Argumente dafür sind so ziemlich die gleichen wie jene des Schahs in den 1970er-Jahren. Die Fragen von außerhalb auch. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Album, 18./19.4.2009)