Ostersonntag ist ein guter Tag zum Bahn fahren, dachte User D. und nahm den Wiesel vom Praterstern Richtung Handelskai. Getreu dem ÖBB-Slogan "Bahn fahren - Nerven sparen" erfolgte die Beförderung bis zur Haltestelle Traisengasse.

Abrupt aus den Träumen reißt ihn dort des Schaffners Ankündigung: "Nächster Halt Traisengasse, Ausstieg links". Was den Bahnfahrer dann irritiert: Zug hält, Türen öffnen sich - beidseitig. Auch die rechte Tür, an der User D. lehnend sich in Sicherheit wiegt. Nachdem der Mann weiterdenkt, verschafft er sich beim Schaffner (in der Folge S. genannt) Gehör und der ist ganz Ohr. 


Es entspinnt sich folgender Dialog. S.: "Wos is?" User D.: "Sofort die Türe absperren - lebensgefährlich - Türe öffnet sich auch auf der falschen Seite!" S.: "Des nutzt nix, des betrifft den ganzen Zug, da ist die Systemsteuerung defekt." User D.: "Aber Sie können doch nicht..." S.: "Ich hab' eh gesagt 'Ausstieg links'". User D.: "Ja, aber das geht doch nicht!!" S.: "Wir haben die Anweisung, in so einem Fall weiterzufahren". Gesagt, getan, der Zug tut, was er gemäß seiner Bestimmung tun muss und tuckert fröhlich Richtung Handelskai. Alles rechtens, bestätigt der Zugführer die Richtigkeit der Schaffner'schen Unbeirrtheit. "Ja, da haben wir Anweisung, weiterzufahren."

User D. ist einer, dem nicht alles wurscht ist. Deswegen erklärt er - was bereits erklärt wurde: Beim ÖBB-Fahrkartenschalter am Praterstern, wo man findet, besser aufgehoben wäre er mit dem Problem am Südbahnhof. Oder "a Security gibt's, wenn Sie sich an die wenden wolln..." Will er nicht. Der Weg zum Südbahnhof ist ihm angesichts der ihm dramatisch dünkenden Situation nicht zu weit. Im dortigen Ostflügel ist in der Fahrdienstleitung ÖBB-Mitarbeiter "Ernst" ob der Sache bass erstaunt, und ergreift umgehend die Initiative. "Werd' ich weiterleiten." User D. ist von der folgenden Inaktivität erneut leicht irritiert. "Ernst" reagiert strategisch überlegt: "Gehn's zum Infopoint, die sind für den Personenverkehr zuständig - wir eigentlich überhaupt nicht."

User D. sucht Zuständige. Im Polizeiwachzimmer Südbahnhof erklärt er noch einmal, was Sache ist. Der Beamte ist konsterniert: "Wirklich blöd! Und was soll'n wir da jetzt tun?" Bahnkunde D. gibt nicht auf, guter Rat ist teuer. Er folgt umgehend nach der Datenaufnahme "am Jausenpapierl": "Gehn's doch noch zum Infopoint, die müssen ja die Telefonnummern von an Journaldienst haben!" Mit einem freundlichen Mitarbeiter dort wird die Sache zu einem guten Abschluss gebracht. Auf die Frage, wen man da informieren könnte, meint der lösungsorientiert: "Na ja, die Telefonnummern sind ja nicht für die Öffentlichkeit da - aber da haben's ein Kärtchen. Ich gebe Ihnen den guten Rat - rufen's nicht an, weil da landen's in der Schleife." (rb)