Wie hoch ist der Salzburger Gaisberg? In einem mit „Die fliegende Goas“ überschriebenen Bericht selbstverständlich höher als in Wirklichkeit. 1288 Meter sind es nach offizieller Messung, in die am 6. April gemachte Höhenangabe von 1388 Metern war offenbar die Flughöhe der genannten Goas eingerechnet.

Wenn man nun solche Böcke schießt, darf man sich nicht wundern, dass es heimatkundige Salzburger einkrampft. Dieses Gefühl der plötzlichen Verspannung in der Körpermitte, das einem beim Lesen gewisser Texte überkommt, kennen auch die Oberösterreicher. Ihnen wurde am 11. April in einem Reisebericht über das Mühlviertel serviert: „Steigt man dann wieder in das Bähnlein und fährt (...) nach Aigen mit dem berühmten Stift Schlägel, erlebt man noch eine Überraschung in der harten Landschaft des granitenen Mühlviertels.“ Die Überraschung ist gelungen, Stift Schlägl kommt ohne dieses „e“ aus, das ihm da im offenkundigen Bemühen, Hochdeutsch ins harte Land zu tragen, zugeschlagen wurde. Genussmenschen können das sogar auf den Etiketten der Bierflaschen nachlesen, die in eben jenem Stift abgefüllt werden.

Auch Kunstsinnige werden in diesem Reisebericht auf die Probe gestellt. „Heim.Art“ und der Mühltalhof in Neufelden werden gewürdigt. Joachim Eckl, dem die schrägen, kunstsinnigen Ideen dort zu danken sind, kommt leider nicht so recht zu Ehren, auch ihm wurde in Eckel ein „e“ zu viel zugesteckt.

Weniger ist mehr, gilt aber auch nicht immer. In der Würdigung „des bislang letzten großen Rock-’n’-Roll-Toten Kurt Cobain“ – der Todestag des Sängers der US-Band Nirvana jährte sich heuer zum 15. Mal – kam es zu einer entstellenden Verkürzung. „Das Album Smells Like Teen Spirit, das 1991 die Revolution ausgelöst hatte, gilt zu Recht als Klassiker“, hieß es Anfang April. „Smells Like Teen Spirit“ war zwar eine Erfolgsnummer, das Album hieß allerdings anders: Nevermind.

Don’t worry, die Zeit der damals begonnenen politisierten Jugendbewegung ist ohnehin vorbei. Die politischen Spielräume der Jungen sind viel kleiner geworden. Wie klein, das konnten wird einem Interview mit Grünen-Chefin Eva Glawischnig am 6. April nachlesen. Darin plädierte sie für die Tobin-Steuer, also eine Abgabe auf Finanztransaktionen: Dafür „sehen wir künftig eine europaweite Steuer zwischen einem Promille und 0,1 Prozent vor.“ Ein Tausendstel oder ein Tausendstel – wer rechnet schon genau nach? Wir nicht, sonst hätte der Satz so nicht stehenbleiben können. Und es hätte auffallen müssen, dass man bei diesem Nichtunterschied nicht mehr viel verhandeln kann. Mathematisch keinesfalls, andererseits: Politisch geht immer etwas. Verwirrend beschrieben wir am vergangenen Donnerstag schließlich die missliche Lage der Roma in der Slowakei und in Italien. „Rund 500.000 Roma leben in der Slowakei“ heißt es da, ein paar Zeilen weiter steht: „Die Minderheit soll bis 2020 auf eine halbe Million anwachsen.“ Derselbe Fehler wie im Interview. Frau Glawischnig ist reingewaschen, der Beweis ist erbracht: Die Neudefinition der Mengenlehre ist unser Werk – es waren übrigens keineswegs dieselben Personen am Werk.

Ebenso wenig wurde man aus folgendem Satz klug: „Mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren weisen sie die niedrigste Lebenserwartung auf.“ Tatsächlich ist gemeint: Die an den Rändern der großen Städte in armseligen Verhältnissen lebenden Roma haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 50 Jahren. Zum Vergleich: Männer in Österreich dürfen mit 77, Frauen mit 83 Lebensjahren rechnen und die Lebenszeit der heuer Geborenen wird noch länger sein. Ob ihre Zukunft eine gute sein wird, steht in den Sternen – und jene haben wir in der vergangenen Woche ironischerweise in Sachen Finanzkrise befragt. Wir erfuhren von einer nur „alle 45 Jahre“ stattfindenden „Uranus-Saturn-Spannung“. Es war aber schon davor klar, was die Lektüre gezeigt hat: Das kann nun gut sein oder schlecht sein, das heißt kurz gesagt nichts. Vor allem ist herausgekommen, dass die Krise bei Vollmond begonnen hat. Dabei hätte man eher an Neumond gedacht, weil es so finster ausschaut. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2009)