Wann immer in Österreich die Öffnung des Postmarktes debattiert wird, zeigt sich das gleiche Bild: Am politischen Verhandlungstisch sitzt immer die Post. Sei es in Form der Gewerkschaft, die der SPÖ die Verhandlungslinie diktiert, sei es das Management, das den Finanzminister auf den Wert seiner Post-Beteiligung hinzuweisen pflegt. Daran ändert sich nicht einmal etwas, wenn die Roten nichts mitzureden haben: So warf das Duo Wolfgang Schüssel/Karl-Heinz Grasser seine Überzeugung vom freien Wettbewerb flugs über Bord, als die letzte Reform anstand.

Jetzt geht es ans Eingemachte, weil 2011 die Schranken für private Zusteller europaweit aufgehen (manche EU-Staaten haben längst geöffnet). Da wiederholt sich die Geschichte: Verkehrsministerin Doris Bures gibt die Erfüllungsgehilfin der Post-Gewerkschaft und schreibt den privaten Anbietern gleich das Lohnniveau ins Gesetz. Ein geschickter Schachzug, um den privaten Anbietern von Anfang an die Lust auf den Markteintritt zu verderben. Der lohnt sich nämlich nur, wenn die Kosten niedriger und die Strukturen flexibler sind als jene des Platzhirsches. 

Jetzt darf man auf die Reaktion von Finanzminister Josef Pröll gespannt sein, der den Post-Mehrheitsanteil via Staatsholding ÖIAG verantwortet. Jeden Millimeter, den er für mehr Wettbewerb und somit Kundennutzen erkämpft, schmälert Wert und Dividende des Konzerns. Daher darf damit gerechnet werden, dass auch diesmal die Postfüchse den Verhandlungstisch als Sieger verlassen werden.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2009)