Kein Zufall, dass die Salzburger Landeschefin Gabi Burgstaller dem Steirer Franz Voves in Sachen Reichensteuer beigesprungen ist. Sie hat bei ihrem ersten Wahlsieg mit linkem Populismus den Sieg errungen. Das wurde nicht sehr beachtet, weil sich die Kommentatoren auf die rechtsrechten Populisten konzentriert haben. Und weil Burgstallers Sprüche natürlich weder radikal noch demokratiefeindlich waren. Vielleicht braucht lebendige Demokratie überhaupt eine populistische Note, um im Medienkonzert reüssieren zu können. Nur: Die Inhalte bestimmen Melodie und Qualität.

Die Österreicher mögen wie die Wählerschaft vieler anderer Länder den Populismus. Aber vor allem den rechten, wenn er noch dazu mit Fremdenhass und Verharmlosung der Nazizeit _gewürzt ist. Diese politische Mentalität, gepaart mit Führer-gehabe, hat die Haider-Partei im Jahre 2000 mithilfe von Wolfgang Schüssel in die Regierung gebracht.
Werner Faymann und Josef Pröll sind einen anderen Weg gegangen. Sie haben Koalitionen mit den Nachfolgern Jörg Haiders abgelehnt und haben damit getan, was in Deutschland selbstverständlich ist.

Aber: Faymann hat, zuerst mit dem übertölpelten Gusenbauer, dann mithilfe der ÖVP eine andere Rechtskoalition konstruiert: jene mit Hans Dichand. Josef Pröll schrieb zwar keinen Unterwerfungsbrief, aber er wurde auf die ihm eigene Art Ursula Plassnik, die _Krone-Feindin, los. Seitdem läuft zwischen Regierung und Krone alles wie geschmiert.

Jetzt ist die Faymann-Methode gefährdet. Voves, Burgstaller und viele Gewerkschafter wie der neue Metaller-Chef Wimmer entdecken die alten Grund_lagen der Sozialdemokratie. Zum Unterschied vom rechten Lager, aber auch zum Unterschied von Deutschland kommt der linke Populismus aus dem Inneren der SPÖ. Und das ist der Knackpunkt für Faymann und für die Koalition.

Anders wäre es, hätte sich in Österreich (z. B. um Ernest Kaltenegger) wie in Deutschland eine Linkspartei formiert. Mit einer solchen würde niemand kooperieren. Denn Hitler-Verharmloser zu sein, das geht ja noch. Aber Kommunist oder gar Stalinist? Das ist die Pest.

Trotzdem gibt es die Verlierer. Sie haben früher Haider gewählt, vorübergehend Schüssel, und strömen jetzt (vor allem in Wien) zu H.-C. Strache. Faymann will sie über die Krone bei der Stange halten. Was er nicht bedachte, ist die polarisierende Wirkung der Wirtschaftskrise.

Der steirische Landeschef Franz Voves verbindet die Wien-Skepsis (seiner Krainer-Vorgänger) mit einem klaren Angebot an die Verlierer der Krise: Schröpfen wir die Reichen. Der finanzielle Effekt wäre gering, der politische hoch. Denn diese „Reichen" haben auch in Österreich den Staat geschwächt und das soziale Netz durchlöchert.

Am Konflikt zwischen Ministerin und Lehrern kann man sehen, dass es neben traditioneller Terrainverteidigung noch etwas gibt: die Wut darüber, dafür zu zahlen, dass Teile der Elite des Landes Riesensummen verbrannt haben. Dass in den 70er- und 80er-Jahren Parteifunktionäre als Unternehmer ähnliche Summen versenkten, ist mittlerweile Geschichte. (Gerfried Sperl, DER STANDARD-Printausgabe, 20.4.2009)