Berlin - Er lacht, er winkt, er strahlt siegessicher. Am Sonntagnachmittag, als SPD-Kanzlerkandidat und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier im Berliner Tempodrom vor tausenden geladenen Gästen den Wahlkampf für die Bundestagswahl am 27. September eröffnet, versucht er sich die Anspannung nicht anmerken zu lassen. Doch ausgerechnet jetzt vermiest eine neue Forsa-Umfrage dem Vizekanzler und Außenminister den Wahlkampfstart.

Nur 22 Prozent der Deutschen würden für ihn stimmen, wenn man den Kanzler direkt wählen könnte. Amtsinhaberin Angela Merkel hingegen erreicht mit 51 Prozent Zustimmung gerade ihren persönlichen Bestwert. Weniger weit liegen die Parteien auseinander: Während die Union auf 35 Prozent Zustimmung kommt, erreicht die SPD24 Prozent (FDP 16, Linke elf, Grüne zehn Prozent).

Steinmeier, der in der SPDselbst hohe Sympathiewerte genießt, kann bei den Wählerinnen und Wählern nicht richtig punkten. Das liegt zum einen an der alles überschattenden Wirtschafts- und Finanzkrise. Einmal trat Steinmeier vor Opel-Arbeitern in Rüsselsheim auf und sprach ihnen Mut zu. Aber ansonsten dominieren Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Merkel die Szene total. Wieder einmal eilt Merkel von einem Gipfel zum nächsten (Opel, G-20-Treffen, Nato-Gipfel). Steinmeier hingegen reist nach Italien - und kaum einen interessiert es.

Auch Steinmeiers Persönlichkeit taugt nicht recht für den harten Wahlkampf. Durch und durch Diplomat ist er, ein Mann der eher leisen Töne - ganz im Gegensatz zu seinem Mentor, Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der schon mal medienwirksam mit Schrebergärtnern aus der Bierflasche trank und kaum um einen flotten Spruch verlegen war. Diese Art der Selbstdarstellung fehlt "Frankie Boy", wie er in Berlin genannt wird. Doch er arbeitet daran: Immer öfter weist Steinmeier jetzt darauf hin, dass er ja wie Schröder aus ganz einfachen Verhältnissen stamme. (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2009)