Ljubljana - Ein äußerst hochkarätiges Angebot erwartet die slowenischen Wähler bei der Europawahl am 7. Juni. Alle Parlamentsparteien schicken nämlich frühere oder aktuelle Minister ins Rennen um einen der sieben slowenischen Sitze im Europaparlament. Die Demokratische Pensionistenpartei (DeSUS) tritt sogar mit Parteichef und Umweltminister Karl Erjavec an. Mit Spannung wird das Abschneiden der konservativen Partei "Neues Slowenien" (NSi) erwartet, die im Vorjahr aus dem slowenischen Parlament geflogen ist, bei der Europawahl aber den ersten Platz verteidigt.

Bei einer Wahlbeteiligung von nur 28 Prozent hatte es bei der Europawahl 2004 einen politischen Erdrutsch gegeben. Mit Sloweniens "Mister Europa" an der Spitze, dem früheren Premier und Außenminister Lojze Peterle, hatte die christdemokratische NSi 23,5 Prozent der Stimmen errungen und damit die Hegemonie der langjährigen Regierungspartei LDS (Liberaldemokraten Sloweniens) gebrochen, die auf 21,9 Prozent der Stimmen kam. Mittlerweile ringen beide Parteien um ihre Existenz. Die LDS schaffte bei der Parlamentswahl im Oktober 2008 nur knapp den Wiedereinzug ins Parlament, die NSi scheiterte sogar an der Vier-Prozent-Hürde. Beobachter halten es angesichts der Zugkraft Peterles trotzdem nicht für ausgeschlossen, dass er seinen Sitz im EU-Parlament retten wird.

Das Rennen um den ersten Platz dürften die Sozialdemokraten (SD) von Premier Borut Pahor und die Slowenische Demokratische Partei (SDS) von Oppositionsführer Janez Jansa unter sich ausmachen. Für die Pahor-Partei tritt der frühere Außenminister Zoran Thaler an, die SDS-Liste führt Ex-Schulminister Milan Zver an. Premier Pahor sorgte mit seiner Kandidatenwahl innerparteilich für Wirbel, da er das SD-Establishment völlig links liegen ließ. Sowohl Thaler als auch die Listenzweite, die Brüssel-Korrespondentin des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders RTV Slovenija, Tanja Fajon, haben nämlich keine sozialdemokratische Vergangenheit.

Von den restlichen Parlamentsparteien werden der linksliberalen "Zares" ("Fürwahr") die besten Chancen auf eines der sieben Mandate gegeben. Ihre Liste führt ebenfalls ein Ex-Außenminister an, der derzeitige Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im slowenischen Parlament, Ivo Vajgl. Die LDS vertraut auf ihren bisherigen Europaabgeordneten, Ex-Informationsminister Jelko Kacin. DeSUS und die Slowenische Volkspartei (SLS), die mit dem früheren Regionalminister Ivan Zagar ins Rennen geht, dürften leer ausgehen.

Einzig die Slowenische Nationalpartei (SNS) hat ihre Karten bisher nicht offengelegt. Klar ist, dass die Langzeit-Oppositionspartei als einzige kein früheres Regierungsmitglied als Zugpferd wird aufbieten können. Mit sechs Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl im Vorjahr ist die nationalistische Partei den Zahlen nach chancenlos, sie könnte aber angesichts der erwarteten niedrigen Wahlbeteiligung durchaus für eine Überraschung sorgen. Außerdem besetzt sie eine nicht zu unterschätzende Marktnische im politischen Spektrum Sloweniens: Sie ist die einzige EU-kritische Partei des Landes.

Den Nationalisten spielt auch das sich abzeichnende wichtigste Wahlkampfthema, der ungelöste Grenzstreit Sloweniens mit Kroatien, in die Hände. Die Spitzenkandidaten von LDS und Zares, Kacin und Vajgl, haben diesbezüglich schon mit scharfen Tönen aufhorchen lassen. So forderte Kacin kürzlich, dass Slowenien die Hälfte des Meeres des jugoslawischen Teils des früheren "Freien Territoriums Triest" für sich beanspruchen soll, also fast 400 Quadratkilometer. Das geht weit über die bisherigen slowenischen Ansprüche im Grenzstreit mit Kroatien hinaus. "Wenn Krieg ist, dann ist Krieg um alles", sagte Kacin. Vajgl wiederum hielt Zagreb "Balkan-Methoden" vor und beschuldigte das Nachbarland, in Grenzfragen mehrmals wortbrüchig gewesen zu sein. (APA)