Wien - Zumindest was die Unternehmensgründungen betrifft, scheint Österreich nichts von der "Krise" wissen zu wollen: 2008 wurden rund 30.100 neue Firmen gegründet, das ist der dritthöchste Wert seit 15 Jahren. Das GründerCenter der Erste Bank bemerkte im ersten Quartal 2009 "überhaupt nichts von einem Abreißen" dieses Trends, sagte dessen Leiter Roland Gehbauer am Montag bei einer Pressekonferenz. Am Mittwoch läuft eine dreiteilige TV-Doku an, die elf Personen in die Selbstständigkeit begleitet.

"Ich schaff' es!"

Die Fernseh-Serie "Ich schaff' es! Wege in die Selbstständigkeit", eine von der Erste Bank unterstützte Koproduktion von knut.ogris.films und ORF 3sat, dokumentiert die Wege von heimischen GründerInnen aus verschiedensten Branchen - vom Kunstsupermarkt "M-ARS" über den Pizzaautomaten "bistrobox" bis zur Schnapsbar "Lokativ". Knut Ogris, Filmproduzent und Ideengeber der Doku, hofft, dass die Ausstrahlung auf 3sat eine "Nachfragewelle" für die ProtagonistInnen erzeugt. Eine Darstellerin ist Judit Rabenstein, Geschäftsführerin von "Magnolias", ein 2006 gegründetes Internet-Erotik-Portal für Frauen. Im vergangenen Oktober eröffnete Rabenstein auch ein entsprechendes Geschäftslokal in der Wiener Innenstadt. Im Online-Bereich spürt Rabenstein die Krise nicht, im Gegenteil: Die Unternehmerin glaubt, dass die Leute jetzt mehr zu Hause sind und sich die Zeit dort "schöner gestalten", wollen. In der Boutique hingegen spürt sie eine gewisse Kundinnen-Zurückhaltung.

Wachsender Frauenanteil

Der Großteil der im Vorjahr in Österreich neu gegründeten Firmen (82 Prozent) waren Einzelunternehmen. In Gehbauers Augen wird diese Entwicklung wahrscheinlich so weitergehen. Der Frauenanteil bei den Einzelunternehmen erreichte 2008 laut vorläufigen Zahlen der Wirtschaftskammer mit 40,5 Prozent einen Rekordwert. Zum Vergleich: 1993 waren erst 26,7 Prozent der EinzelunternehmensgründerInnen weiblich.

Frauen kommen ohne Finanzierung aus

Das Erste-GründerCenter merkt allerdings nicht viel vom weiblichen Unternehmer-Enthusiasmus - die Frauenquote beträgt Gehbauer zufolge 25 bis 30 Prozent. Dies liege daran, dass Frauen oft kaum Finanzierungsbedarf haben, weil sie sich "im kleinen Bereich", etwa in Pflegeberufen, selbstständig machten. Dafür sprechen auch die kürzlich veröffentlichten WKÖ-Zahlen zu Ein-Personen-Unternehmen (EPU): Dank vieler Gewerbeanmeldungen durch Pflegekräfte ist die EPU-Zahl 2008 auf ein Rekordniveau von 205.276 Betrieben geklettert.

Jungunternehmern empfiehlt Gehbauer, früh genug mit der Bank über die Finanzierung zu sprechen. Ein klarer Business-Plan und eine genaue Planung der Liquidität seien unabdingbar. Die Erste Bank fordere eine Eigenkapitalquote von 25 bis 30 Prozent. Die meisten Neo-Selbstständigen, die die Erste betreut, erreichen ihren geplanten Umsatz im ersten Jahr nicht, sagte Gehbauer. Wichtig sei es auch, nicht nur den "Best Case", sondern auch Anfangsschwierigkeiten zu bedenken. Die im Zuge der Konjunkturpakete angebotenen Förderungen (etwa Haftungen) seien "sehr" hilfreich. (APA)