Foto: Elfriede Jelinek Forschungszentrum

Wien -  Elfriede Jelineks Theatertext "Rechnitz (Der Würgeengel)" wird erstmals in Österreich vorgestellt. Das Stück, das im vergangenen Jahr bei den Münchner Kammerspielen Premiere feierte, thematisiert das Massaker an 180 jüdischen ZwangsarbeiterInnen am 24. März 1945 im Rahmen eines nationalsozialistischen Festes in Rechnitz. 

An fünf Abendveranstaltungen, die vom Jüdischen Totengebet "El male rachamim" eingerahmt werden, findet in Form von Vorträgen, Videovorführungen, einer Lesung und Diskussionsrunden eine fundierte Auseinandersetzung mit den historischen Hintergründen des Massakers und dessen künstlerischer Verarbeitung in Jelineks Theatertext statt.

Organisiert wird die Veranstaltung vom Elfriede-Jelinek-Forschungszentrum der Universität Wien. Es handelt sich dabei um eine Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde, dem Jüdischen Museum Wien, RE.F.U.G.I.U.S (Gedenkinitiative für alle Opfer beim Südostwallbau) und dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Programm

Die Veranstaltungsreihe wird am 23. April im Museum Judenplatz eröffnet, darauf folgen am 30. April und 5. Mai Vorträge und Gespräche am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Am 17. Mai wird die Münchner Inszenierung in einem Themenschwerpunkt behandelt und am 20. Mai findet eine abschließende Diskussion statt.

  • 23. April: Eröffnung
    Ausgehend von den Ereignissen des 24. März 1945 stehen bei der Eröffnungsveranstaltung am 23. April im Museum Judenplatz die Themenbereiche "Totengedenken" und "Zeugenschaft" im Mittelpunkt. Walter Manoschek, Politikwissenschaftler der Universität Wien, spricht u.a. über das Judenmassaker.
  • 30. April: Der Film "Totschweigen" als Jelineks Quelle
    Am 30. April wird der Film "Totschweigen" (1994) von Eduard Erne und Margareta Heinrich am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien präsentiert. Darin werden das "geschwätzige Verschweigen" des Massakers und die vergebliche Suche nach den jüdischen Massengräbern dokumentiert. Beim anschließenden Gespräch werden Eduard Erne und die Regisseurin Ruth Beckermann anwesend sein.
  • 5. Mai: Stückanalyse und Gespräch
    Am 5. Mai werden die Täter in Jelineks Stück analysiert. David R. L. Litchfield, dessen Buch The Thyssen Art Macabre 2007 in deutschen Zeitungen eine heftige Debatte auslöste, wird an einem Gespräch mit Monika Meister, Theaterwissenschaftlerin der Universität Wien, und dem Journalisten Robert Misik teilnehmen.
  • 17. Mai: Szenische Umsetzung
    Die Uraufführung von Jelineks Stück an den Münchner Kammerspielen in der Inszenierung von Jossi Wieler ist Themenschwerpunkt der Veranstaltung am 17. Mai im Museum Judenplatz. In Anwesenheit des Regisseurs wird über die theatralen Möglichkeiten des Textes diskutiert.
  • 20. Mai: Lesung und Abschlussdiskussion
    Bei der Veranstaltung am 20. Mai im Museum Judenplatz werden unter dem Motto "Die Nachgeborenen" Möglichkeiten und Grenzen von Geschichtsforschung und Kunst diskutiert. Eingeleitet wird die Diskussion mit einer Lesung von Anne Bennent aus Texten Elfriede Jelineks.

Alle fünf Veranstaltungen beginnen um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. (red)