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Am Samstag war Louis Van Gaal noch angespeist. Da vergeigten es seine Spieler nämlich durch ein 1:2 gegen Vitesse Arnheim - die erst zweite Heimniederlage der Saison und die erste nach 28 ungeschlagen beendeten Partien - eigenbeinig und vorzeitig die niederländische Meisterschaft für sich zu erobern. "Wir waren nicht in der Lage mit dem Druck fertig zu werden", murrte Van Gaal.

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Doch bereits 24 Stunden später entspannten sich die Züge des Helden von Alkmaar zusehends.

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Ein 2:6 Ajax Amsterdams in Eindhoven hatte am Sonntag die letzten theoretischen Einholchancen des verbliebenen Verfolgers in tausend Scherben geschmissen. Diese Demütigung schmerzt die Ligalagen zwar schon ein bisschen, aber...

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... die Sympathie mit den Kleinen, die endlich die erstickende Dominanz der Großen Drei in der Eredivisie durchlüfteten, wiegt natürlich schwerer. Zu beeindruckend auch der Durchmarsch der von Van Gaal formierten Mannschaft. 24 Siege bei nur drei Niederlagen sind drei Runden vor Schluss ein beeindruckender Ausweis der AZschen Superiorität. Brillantes taktisches Verhalten - nur 17 Gegentore mussten bis dato zugestanden weden - sprechen für die Fähigkeiten des Fußballlehrers Van Gaal, der verkündete: "Dieser Titel ist mein wahres Meisterwerk." Erst zum zweiten Mal seit 1965 geht die Schale nicht an Ajax, PSV oder Feyenoord. Nun hofft ganz Alkmaar, dass der einzige Star dem Klub erhalten bleibt.

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"One of the more memorable days" sei es gewesen, stand auf der Website der Wolverhampton Wanderers zu lesen. Ein würdiges Exempel für die hohe Kunst britischen Understatements. Sind ja auch bloß 30.000 im "Molineux" und noch mehr darüber hinaus ein bisschen aus dem Häuschen gewesen, als die Wolves am Samstag mit einem 1:0-Erfolg gegen die Queens Park Rangers nach fünfjähriger Abstinenz vorzeitig den Aufstieg in die Premier League klar machten.

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Erstklassig, das spielte es für die Wanderers - immerhin dreifacher englischer Meister - in den letzten 25 Jahren erst einmal (2003/2004), die Symphonie in Gold-Orange war also absolut nachvollziehbar. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts galt Wolverhampton als bestes Team in ganz England. Und nicht nur das. Ein denkwürdiger 3:2-Sieg in einem Freundschaftsspiel gegen die große Honved-Mannschaft mit Kocsis und Puskas begründete einen Mythos. Denn das Mutterland war tief getroffen,  nachdem das Nationalteam zwei furchtbare Niederlagen gegen die Ungarn einstecken musste (3:6 in Wembley, 1:7 in Budapest).

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Die Gegenwart? Champagnisieren in den Katakomben - wie das eben auf der ganzen Welt üblich ist, in solchen Fällen. Die Wolves hatten es souverän angelegt und die "Championship" mit Ausnahme weniger Wochen von der Spitze aus bestritten. Manager Mick McCarthy hat jedenfalls wieder einmal gezeigt, der richtige Mann zu sein, wenn es gilt, Mannschaften nach oben zu bringen.

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Mit dem nächsten Schritt, sie dort zu halten haperte es bisher noch. 2004/05 schaffte er mit Sunderland den Wiederaufstieg in die erste Liga, spielte dort aber eine erbarmungswürdige Rolle. Zehn Runden vor Schluss musste McCarthy gehen - und wurde ausgerechnet von Roy Keane abgelöst. Der Zwist zwischen den beiden im Vorfeld der WM 2002, der mit dem Rausschmiss des Kapitäns aus dem irischen Aufgebot gipfelte, war auch der Anfang vom Ende der Tätigkeit des damaligen Teamchefs McCarthy.  In Wolverhampton ist er seit 2006 engagiert, schon in der vergangenen Saison steuerte er die Mannschaft bis ins Halbfinale des Aufstiegs-Playoff.

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Rotherham, South Yorkshire. Das ist (richtiger: war) Kohle, Stahl und David Seaman. Und sonst nicht wirklich viel. 117.262 Menschen leben in der im Tal des River Don gelegenen Stadt, für die es, vom Schlagschatten der bloß zehn Kilometer entfernten Industriemetropole Sheffield marginalisiert, nicht einmal zur Mauerblümchenexistenz recht reichen will.

Quelle: Google maps

Und doch. Ein Blick auf die Tabelle der englischen Football League Two (die mit ihren auf Missetaten und Unzulänglichkeiten verweisenden Fußnoten einen gewissen Serie-B-Charakter aufweist) macht deutlich: Rotherham rocks!

Nicht weniger als 17 Punkte hat man dort dem bedauernswerten Viertklassler Rotherham United FC wegen sich wiederholender finanzieller Engpässe vor dem Saisonstart abgezogen - und was machen die Millers? Schütteln sich und legen eine Supersaison hin, wo andere sich in den Schnee oder den Hut drauf gehaut hätten.

Bereits 2006 hatte die Krise existenzbedrohende Ausmaße angenommen, Hilfe von Sheffield United und Sammlungen kleinerer lokaler Klubs retteten damals den RUFC. Vergangenen Sommer wurde Rotherham, das sich immer noch in konkursähnlichem Zustand befindet, erst im letzten Moment zur Teilnahme an der Meisterschaft zugelassen. Zudem wurde man ins Exil gezwugen, da Millmoor, das Stadion in dem man seit gut 100 Jahren zu Hause war, nach Differenzen mit den Besitzern nicht mehr bespielt werden durfte. Die alte Hütte galt als einer der mittlerweile recht selten gewordenen typisch englischen Grounds. So typisch, dass die Spieler von West Ham vor einigen Jahren die Benützung der Kabinen verweigerten. Das Trainingszentrum? Verklopft.

Quelle: www.themillers.co.uk

Kurz: nix wie Zores. Trainer Mark Robins muss also ein Motivator sein der seinesgleichen sucht. Da möchte man Mäuschen sein. Im August wurde Robins' Arbeit durch die Wahl zum "Trainer des Monats" gewürdigt und bereits im Oktober betrat Rotherham die Region der positiven Punkte. Ohne ihren schweren Rucksack voller Handicap wären die Millers nicht die Mittelständler die sie sind, sondern eine heiße Aufstiegsaktie. Eindeutig unser Team des Jahres 2008/09. (Michael Robausch - derStandard.at, 20.4. 2009)