Esma Redžepova: internationale Symbolfigur der Roma-Musik

Foto: Balkanfieber

Wien - Der Prolog wurde gar im Musikverein zelebriert: Es sah sich der "Plugged in"-Crossover-Zyklus der NÖ Tonkünstler unter Kristjan Järvi in das Balkanfever-Festival eingemeindet, doch der musikalische Ertrag blieb bescheiden. Flötist Theodosii Spassov und die Gitarristen Miroslav Tadić und Vlatko Stefanovski zeigten ihre Substanz eher dort, wo sie die bulgarischen Volkslieder und Tänze ohne überdimensionierte symphonische "Begleitband" intonierten. Überraschungen fehlten. 

Schmachtende Melodien, Melancholie und Lebensfreude - auf diese elementaren Topoi menschlichen Seins lässt sich das musikalische Südosteuropa-Bild, das im Zuge der (seit den 90er-Jahren anhaltenden) Balkan-Welle gezeichnet wird, im Grunde reduzieren. Was vor allem für die Musikschaffende problematisch scheint: Elektronische Musik aus Mazedonien? Noise aus Bulgarien? Das hat keine Chance! Wer nicht den Marktwünschen nach zumindest einem Hauch von "authentischer" Volksmusik entspricht, der läuft im Westen glatt Gefahr, überhört zu werden.

Marktgängiges Bild

Auch das Balkanfever-Festival bringt dieses marktgängige Bild einer Region nicht wirklich ins Wanken, wobei der Veranstaltung Verdienste nicht abzusprechen sind: Hat das Festival doch wesentlich dazu beigetragen, dass dem Wort Balkan heute in Wien eine positive Note zukommt und dass südosteuropäische Migranten über ihren musikalischen Beitrag als Bereicherung wahrgenommen werden. 

Der breiige Sound und der nüchterne Ostblock-Charme des Arbeiterkammer-Sitzungssaals verströmten anlässlich der eigentlichen Festival-Eröffnung natürlich den Eindruck einer anderweitig "authentischen" Aura. Wobei Esma Redžepova in gewisser Weise über all diesen Dingen steht. Als internationale Symbolfigur der Roma-Musik musste die 66-Jährige aus Skopje nicht im Zuge des Balkan-Hypes entdeckt werden: Sie war schon vorher da. Drei Kostüme und ein Bühnentaschentuch verbrauchte die kleine Frau mit der ausdrucksstarken Stimme, die in der Roma-Hymne Dzelem, Dzelem expressive Tontränen vergoss. 

Wie man sich abseits musikalischer Trampelpfade auf seine Roots bezieht, das demonstrierte immerhin Pianist Bojan Z im Porgy & Bess: Im intimen Dialog mit Bassist Nenad Vasilić fand er in Kompositionen wie Flashback zu Momenten verstörender Eindringlichkeit und geistvoller Spontaneität. Mehr davon! (Andreas Felber, DER STANDARD/Printausgabe 21.4.2009)