Wien - Kritik an der Regierung, vor allem aber an Finanzminister Karl-Heinz Grasser, kommt in Sachen Pflegegeld von den Hilfsorganisationen. Grasser hatte die Anhebung des Pflegegeldes mit Verweis auf die Steuerreform abgelehnt. Diakonie-Direktor Michael Chalupka meinte dazu am Donnerstag in einer Aussendung: "Die Steuerreform darf nicht auf den Rücken derjeniger ausgetragen werden, die es auf Grund von Behinderung und Krankheit in unserer Gesellschaft ohnehin schon schwer haben."

Pflegegeld "defakto um 9,9 Prozent gesunken"

Chalupka erinnert daran, dass das Pflegegeld seit seiner Einführung 1996 nicht einmal an die Inflationsrate angepasst wurde und damit de facto um 9,9 Prozent gesunken sei. Grasser lasse jegliche Sensibilität gegenüber unterstützungsbedürftigen Menschen vermissen. "Die Tendenz, gestaltende Sozialpolitik durch Budgetpolitik zu ersetzen, muss ein Ende haben", so Chalupka.

Ähnlich Christoph Gisinger, ärztlicher Leiter im "Haus der Barmherzigkeit": Schon die von Sozialminister Herbert Haupt (F) geplante Pflegegeld-Erhöhung um nur 1,8 Prozent sei "reinster Zynismus" gewesen. Gisinger fordert eine Kosten deckende Anhebung der mittleren und höheren Pflegestufen, in die derzeit rund 125.000 Personen fallen. (APA)