Wien - Der Saal im Palais Niederösterreich war am Dienstag bis auf wenige Plätze gefüllt. Denn zur Abstimmung bei der außerordentlichen Hauptversammlung von Power International (PI) standen mit der Auflösung des Unternehmens und der Ausschüttung liquider Mittel wesentliche Agenden.

Beide Punkte wurden mit mehr als 99 Prozent von den Anlegern angenommen. Somit ist das Aus für das Ex-Meinl-Unternehmen besiegelt. Die Zertifikateinhaber bekommen in einem ersten Schritt im Mai 4,20 Euro pro Zertifikat aus dem Cash-Vermögen der Gesellschaft. Der Kurs der Zertifikate liegt derzeit bei 5,70 Euro, im Sommer 2007 wurden die Papiere für zehn Euro je Stück ausgegeben.

In Summe werden vorerst 252 Mio. Euro aus dem Cash-Bestand von insgesamt 394 Mio. Euro ausgeschüttet. Die restlichen Eigenmittel werden einbehalten, bis der Verkauf der Energieprojekte abgewickelt ist. Erklärt wurde das mit den Fremdfinanzierungszusagen, die für einige Projekte aufgrund der Finanzkrise wackeln. Dadurch könnte PI gezwungen sein, Eigenkapital nachzuschießen. Die Verkaufserlöse sowie der verbleibende Cash-Bestand würden in der Folge auch ausgeschüttet, erklärte PI-Vorsitzender Wolfgang Vilsmeier.

Auch für diverse Rechtsstreitigkeiten mit der Meinl Bank dürfte man wohl noch Kapital zurückhalten. Wie der Standard erfahren hat, haben sich PI und Airports International als Privatbeteiligte beim Strafverfahren gegen Julius Meinl V. und andere angeschlossen.

Fünf statt acht Direktoren

Eine Überraschung gab es bei der Wahl der Direktoren. Im November, als die "Rebellen" das Ruder bei PI überommen haben, wurden acht Direktoren ins Board gewählt. Nicht alle von ihnen standen am Dienstag zur Wiederwahl. Björn Pirrwitz und David Lewis Pascall waren nicht mehr auf der Liste.
Abgewählt wurden Hans-Peter Dohr, Wilfried Hassler und Fred Duswald. Neu ins Direktorium gewählt wurden James Shinehouse und Murdoch McKillop. Gemeinsam mit Wolfgang Vilsmeier, George Baird und Richard Boléat bilden sie den neuen 5er-Vorstand. Dohr und Hassler werden künftig nur noch operativ tätig sein.

Vorgelegt wurde auch die Bilanz für 2008. Nach ersten Zahlen ergab sich ein Jahresverlust von 35,5 Mio. Euro (2007: 2,8 Mio. Euro Gewinn). Die Umsatzerlöse stiegen von 10.000 Euro (2007) auf 5,7 Mio. Euro. Grund dafür waren "Erlöse aus den Tochtergesellschaften sowie Zinserträge aus Bankguthaben und Wertpapieren bzw. Zinseinnahmen aus Darlehen für die eigenen Tochtergesellschaften", heißt es in einer Aussendung. Als "bedeutendste Kostenposition" nannte das Board die Kosten für den externen Manager MPM; die Honorare für 2008 beliefen sich auf acht Mio. Euro (2007: 3,3 Mio. Euro).

Gegen den externen Manager geätzt hat "Rebellen"-Sprecher Alexander Proschofsky - konkret gegen das Engagement von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Grasser soll für seinen Drittel-Anteil am Management maximal den Euro wiederbekommen, den er bei der Gründung eingelegt hatte. "Da sehen Sie was die Meinl Bank vom Wert ihrer Managementgesellschaft hält", sagte Proschofsky. 

Dass man Meinl ganz draußen haben will, schlug sich durch bis zum Buffet. Nicht einmal Meinl-Kaffee wurde mehr serviert. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2009)