Die Telekombranche tobt über die am Dienstag von der Regulierungsbehörde RTR bekanntgegebenen gesenkten Zusammenschaltungsgebühren im Mobilfunkbereich. Orange-Chef Michael Krammer forderte heute gar die Auflösung der RTR und eine Übertragung der Kompetenzen nach Brüssel. "Die sind die Totengräber des heimischen Mobilfunks", so Krammer zur APA. Ein nicht genannt werden wollender Jurist sprach von einer "Schweinerei". Bereits mehrere Mobilfunker haben den - von der RTR erwarteten - Gang zum Verwaltungsgerichtshof angekündigt.

"Enttäuscht"

Marktführer Mobilkom Austria zeigte sich zumindest "enttäuscht". "Mobilfunk hat sich in den letzten Jahren als starker Wirtschaftsfaktor etabliert, der mit niedrigen Endkundenpreisen deutlich zur Dämpfung der Inflation beigetragen hat. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hemmt ein derart massiver Eingriff bei den Terminierungs-Entgelten unseren Investitions-Spielraum enorm", so Technikchef Hans Pichler.

Schaden für den Wirtschaftsstandort

Von einem Schaden für den Wirtschaftsstandort sprach auch Verfolger T-Mobile. Das Unternehmen habe seit dem Markteintritt über vier Mrd. Euro in den Standort investiert. "Durch die Vorgehensweise der Regulierungsbehörden werden keine neuen Investitionsanreize geschaffen", betonte die Tochter der Deutschen Telekom. Mitbewerber Orange sieht in den gesenkten Zusammenschaltungsgebühren ein millionenschweres Geschenk ans Ausland, da die österreichischen Anbieter weit mehr für die Übergabe von Telefonaten an einen ausländischen Anbieter zahlen müssten als sie selbst bei Anrufen nach Österreich erhalten würden.

Gerechte Marktsituation

Lediglich der kleinste Mobilfunkanbieter "3" zeigte sich glücklich. "Damit wird ein wesentlicher Meilenstein für eine gerechte Marktsituation für alle Betreiber am österreichischen Telekommarkt gelegt", hieß es auf APA-Anfrage. Zuvor hatte bereits die RTR gemeint, dass kleine Anbieter zwar nicht mehr so stark wie früher, aber nach wie vor von den Terminierungsentgelten profitieren werden.

Referenzwert

Dass mit "3" aber nun der kleinste Anbieter, der zum Teil das Netz der Mobilkom nutzt, als Referenzwert für die Berechnung der Zusammenschaltungsentgelte herangezogen wurde, stört den Mitbewerb. Dies wäre eine Benachteiligung der anderen Betreiber, die komplett auf ein eigenes Netz setzen, hieß es von einem Juristen. Außerdem sei es bedenklich, dass die RTR, im Gegensatz zu früher, bei der Berechnung künftiger Entgelte nicht Erfahrungswerte, sondern Prognosewerte herangezogen hat.

Die Festnetzanbieter, die heute von der RTR als Profiteure der gesenkten Mobilterminierungsentgelte genannt wurden, sind auch nicht glücklich. Die Telekom Austria meinte, die Senkungen hätten noch vor einigen Jahren wirklich Wirkung gezeigt, mittlerweile relativiere sich die Bedeutung der Entgeltsenkung da ohnehin die Festnetzminuten zugunsten des Mobilfunks stark abnehmen. Der Mitbewerb kritisierte, dass die Festnetzanbieter immer noch viel zu viel an die Mobilfunkbetreiber überweisen müssten. Derzeit würde man die vierfache Zusammenschaltungsgebühr der Mobilfunker zahlen und selbst in Zukunft sei es immer noch das doppelte. (APA)