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Bankchef David Roberts wird nächste Woche Bilanz und Inhalt des Hilfspakets zeigen.

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Diese Woche will die Bawag ihren Deal mit dem Staat perfekt machen, im Paket sein sollen Geld und Garantien. Ein strukturiertes Kredit-Portfolio, mit dem Ost-Geschäft kompensiert werden sollte, wurde giftig.

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Wien - Die Bawag-PSK will noch diese Woche mit dem Finanzministerium über die Zuführung von 500 Mio. Euro Eigenkapital (Partizipations- oder PS-Kapital) und die Übernahme von Garantien (500 Mio.) handelseins werden. Vertrag und Aktionärsbeschluss vorausgesetzt, soll das Paket samt Bilanz am 29. April präsentiert werden. Dem Hauptaktionär Cerberus wollte der Staat ursprünglich 400 Mio. Euro Einschuss abverlangen, bei 250 Mio. Euro soll man gelandet sein.

Das grundsätzliche Plazet des Aufsichtsrats hat sich der Vorstand am Montag geholt; auch die Bilanz 2008 steht schon. Die wird tiefrot ausfallen: Die Rede ist von einem Verlust von 200 bis 300 Mio. Euro. Dabei ist das operative Geschäft der Bank, die der ÖGB 2007 fast zur Gänze an den US-Fonds Cerberus verkauft hat, so gut wie schon lang nicht mehr gelaufen. Das Problem sind, wie berichtet, giftige Papiere (ABS, Asset Backed Securities; im Wesentlichen handelt es sich um ein strukturiertes Kredit-Portfolio). Dem Vernehmen nach ist das Problem rund 800 Mio. Euro schwer.

Im ABS-Bereich war die Bawag laut Insidern "mehr als andere Banken engagiert". Denn: Die PSK(2000 von der Bawag übernommen) hatte zwar hohe Einlagen, aber kein Kreditgeschäft; ihre Treasurer setzten früh auf alternative Investments wie eben strukturierte Kredite oder Hedgefonds. Die Bawag wiederum hatte - im Gegensatz zur Konkurrenz - keine Cash-Cows in Osteuropa und suchte daher anderswo Erträge.

Gefunden wurden die ab 2000 eben in den damals neuen strukturierten Produkten. Jetzt, in der Krise, haben die massiven Abwertungsbedarf. Ende 2005, beim Abgang des "alten Bawag-Regimes", dürfte der ABS-Stock rund eine Milliarde Euro schwer gewesen sein; dann (also ab der Ära des heutigen Notenbankchefs Ewald Nowotny) soll kaum noch etwas dazu gekommen sein, wird beteuert.

Giftmüll-Deponie im Haus

Ein Teil der giftigen Papiere (von denen etliche, wie US-Students-Loans, heuer auslaufen) wurde in eine Bawag-eigene Beteiligungstochter ausgelagert, was der Bank Eigenkapitalunterlegung spart. Wie dieser Umbau weitergeht, ist Gegenstand der intensiven Verhandlungen mit der Republik.
Dass die Bawag von ihr nicht nur Kapital, sondern auch Garantien will, hat pekuniäre Gründe.

aftungsgarantien kämen die Bank billiger als PS-Kapital (angeblich soll die Bawag 9,4 Prozent zahlen), zudem braucht die Bank keine Liquidität: Sie ist mit sieben Mrd. Euro äußerst flüssig. Ein Punkt, den auch Bankchef David Roberts am Montag in einem Schreiben an die Mitarbeiter ("Argumentarium") unterstrich. Die Bawag brauche nicht unbedingt Geld vom Staat, sondern wolle wie alle Banken ihr Kernkapital auf internationales Niveau zwischen neun und elf Prozent bringen. Das operative Ergebnis 2008 sei sehr gut ausgefallen, man bewerte aber Wertpapiere sehr vorsichtig und konservativ. Eine Verstaatlichung stehe "nicht zur Diskussion".

Neben den Gesprächen mit der Republik gibt es auch solche mit dem ÖGB. Weist die Bawag für 2008 weniger als sechs Prozent Kernkapitalquote aus, haftet der ÖGB bis mindestens 2010 weiter für die Eigenmittelausstattung seiner Ex-Bank. Das tangiert wiederum Cerberus: In dieser Zeit darf die Bank keine Dividende zahlen. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2009)