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Jack Johnson, hier 1932 im Alter von 54 Jahren bei einem Workout in New York, war Weltmeister und Rassismusopfer

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Washington - Der letzte Kampf von Jack Johnson ist noch nicht vorbei, auch mehr als 62 Jahre nach seinem Tode nicht. Der "Riese von Galveston" , der 1908 als erster Afroamerikaner den WM-Titel im Schwergewicht errungen hatte, war schon zu Lebzeiten eine Legende - und wurde zum Symbol für die Ungerechtigkeit eines rassistisch voreingenommenen Rechtssystems. Im US-Kongress werden nun Rufe nach einer postumen Rehabilitierung von Johnson laut, die Hoffnungen ruhen dabei auf Präsident Barack Obama.

Im Jahr 1913 wurde Johnson als erster Angeklagter überhaupt zu einer Haftstrafe verurteilt, weil ein Gesetz den Transport von Frauen von einem US-Bundesstaat in einen anderen zum Zweck "unmoralischer Betätigung" verbot. Offiziell richtete sich das Gesetz gegen Prostitution. Im Fall des Boxers wurde es angewandt, weil er eine Liaison mit einer Weißen hatte, oder schlicht um ihm, dem Weltmeister, eins auszuwischen. Jedenfalls hatte er einer weißen Freundin eine Bahnkarte geschickt, damit sie einen seiner Kämpfe besuchen konnte. Nach dem Urteil floh Johnson nach Europa, erst nach seiner Rückkehr 1920 saß er ein Jahr lang im Gefängnis.

Johnsons Urgroßnichte Linda Haywood hält es für einen Skandal, dass er immer noch als rechtmäßig verurteilt gilt. "Ich hatte gehofft, schon Bush würde ihn begnadigen" , sagt sie. "Würde es Präsident Obama tun, würde es mir aber noch viel mehr bedeuten."

Es war der 26. Dezember 1908, und es war in der Rushcutter's Bay bei Sydney in Australien, wo Polizisten in der 14. Runde des auf 15 Runden angesetzten Kampfs den Ring stürmten, um zu verhindern, dass ein Weißer, der regierende Weltmeister Tommy Burns, von einem Schwarzen ausgeknockt wurde. Noch heute führt die Boxgeschichte Johnsons Triumph als "Punktesieg nach 14 Runden" . Jack London, als Reporter für den New York Herald in Sydney, rief zur Suche nach der "großen weißen Hoffnung" auf, die für die "überlegene" Rasse "das goldene Lächeln aus Johnsons Gesicht" entfernen sollte.

In den folgenden Jahren verhöhnte Johnson das weiße Amerika, er trat selbstbewusst auf, ließ sich Goldzähne einsetzen, um sein Vermögen zur Schau zu stellen. Die unterdrückten Afroamerikaner feierten, als Johnson 1910 die - von den Fans mit "Kill the Nigger" angefeuerte - weiße Hoffnung James Jeffries schlug. In mehreren US-Städten kam's zu Rassenunruhen, 25 Menschen (23 Schwarze, 2 Weiße) starben, etliche Lynchversuche an Afroamerikanern wurden registriert. Erst 1915 auf Kuba gegen Jess Willard verlor Johnson den Titel. Kundige meinen heute, er sei zuvor so bedroht worden, dass er sich auf den Rücken legte.

Zu den politischen Wortführern für eine Rehabilitierung des Boxers zählen zwei Republikaner, der Senator und unterlegene Präsidentschaftskandidat John McCain und der Abgeordnete Peter King. "Wir müssen diese Ungerechtigkeit revidieren" , sagte McCain auf einer Pressekonferenz in Washington. Johnsons Verurteilung wertet er als "Akt des Rassismus, der einen US-Bürger mit fingierten Vorwürfen ins Gefängnis brachte" .

Die Initiatoren sind zuversichtlich. Eine Rehabilitierung Johnsons durch Obama würde "zeigen, dass sich das Land geändert hat" , sagt King, "und vieles besser geworden ist" . Johnson, der als Sohn ehemaliger Sklaven in Texas geboren wurde, hat die Errungenschaften der Bürgerrechtler nicht mehr miterlebt. Er starb am 10. Juni 1946 im Alter von 68 Jahren bei einem Autounfall. (fri, APA, DER STANDARD Printausgabe, 21.4.2009)