Fast scheint es, als wären Außerirdische am Austria Center in Wien gelandet. Die 8000 Gestalten, die diese Woche Einzug im Wiener Kongresszentrum gehalten haben, verkehren in einer fremden Sprache, die in keinem Land der Erde verstanden wird. Die Veranstaltung heißt "Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union EGU". Die EGU ist mit 45000 Mitgliedern die zweitgrößte Vereinigung von Geoforschern. In Wien berichten die Spezialisten diese Woche von ihren neuesten Erkenntnissen.

Nur Eingeweihte freilich bekommen eine Ahnung von der Dramatik der Themen; die Fachsprache der Wissenschafter befreit die Vorträge von jedem Reiz für Laien. Die Forscher diskutieren beispielsweise über geheimnisvolle Gebilde auf dem Meeresgrund, über Vulkane, die kurz vor dem Ausbruch stehen, über auseinanderbrechende Kontinente, über Wolken, die Sonnenbrand auslösen, oder über versunkene Städte. Für Außenstehende jedoch klingen die Vorträge weitaus weniger spannend: Sie heißen etwa "Dyking-Mechanismus und Schmelztransfer" oder "Neotethys-Schließung und die Entwicklung transgressiver Pop-up-Struktur".

Bis Freitag werden die Geoforscher aus ganz Europa rund 13000 Vorträge und Aufsätze im Kongresszentrum ausgetauscht haben; von der Öffentlichkeit fast unbemerkt. Nur wenige Themen gelangen nach draußen. Dann verschwinden die Wissenschafter wieder. Im nächsten Jahr landen sie in Paris. (boja/DER STANDARD, Printausgabe, 22.04.2009)