Musikpiraten sind nicht die Feinde, sondern die besten Kunden der Musikindustrie. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der BI Norwegian School of Managment , wonach P2P-User, die Inhalte stehlen, gleichzeitig auch die meiste Musik kaufen. Glaubt man den Ergebnissen, scheint es, dass die von der Industrie verteufelten Musikpiraten dieser eigentlich das beste Geschäft einbringen und deutlich mehr bei Onlineservices wie iTunes und Amazon MP3 einkaufen als andere Konsumenten. Wie Ars Technica berichtet, erwerben jene Nutzer, die im Zuge der Studie angaben, illegal Musik herunterzuladen, laut BI um zehn mal mehr legale Musik als Personen, die nie etwas illegal aus dem Netz beziehen.

Geschmack

Ob die Daten, die unter 1.900 Befragten ermittelt wurden, tatsächlich glaubhaft bzw. auf die Allgemeinheit umzulegen sind, bleibt dahingestellt. Ein Erklärungsansatz könnte sein, dass die illegalen Downloads sozusagen dem Kauf von Musik vorangehen. Viele Nutzer laden sich Songs herunter, um in etwas hineinzuhören oder neue Künstler kennen zu lernen. Kommen sie auf den Geschmack, wird infolge auch Geld für ein Album oder weitere Songs investiert. Die BI-Studie zeigt auch - wenig überraschend - dass die Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen eher bereit ist, für Downloads als für physische Tonträger Geld zu bezahlen. Die meisten aus dieser Altersgruppe kauften aber dennoch im Schnitt zumindest eine CD in den vergangenen sechs Monaten.

"Es gibt eine Sache, die man nicht leugnen kann - der Musikkonsum steigt und die Einnahmen sinken"

Die Labels geben sich kritisch, was die Aussagekraft der norwegischen Studie betrifft. Björn Rogstad von EMI etwa bemängelt, dass die Ergebnisse den Anschein erweckten, illegale Downloads würden den Verkauf fördern, das könne jedoch in keinem Fall tatsächlich bewiesen werden. "Es gibt eine Sache, die man nicht leugnen kann - der Musikkonsum steigt und die Einnahmen sinken. Das kann nicht anders erklärt werden, als dass illegale Downloads das legale Geschäft übertreffen", so Rogstad.

Das gesamte Konsum- und Kaufverhalten wurde verändert

Was von Seiten der Musikindustrie häufig außer Acht gelassen wird, ist die Tatsache, dass das Web, das gesamte Konsum- und Kaufverhalten verändert hat. Online werden anstatt kompletter Alben - wie bei CDs die Regel - sehr viel mehr Einzeltracks und individuell zusammengestellte Bündel verkauft. Dadurch erklärt sich auch zumindest zum Teil, warum die phyischen Verkäufe derart im Abnehmen sind und sich das auch auf die Gesamtverkäufe negativ auswirkt. Das bestätigen auch aktuelle Zahlen der IFPI, wonach die weltweiten Musikverkäufe 2008 ein weiteres Mal um acht Prozent auf 18,42 Mrd. Dollar gesunken sind. (pte)