Mainz - Einen Tag vor der ersten offiziellen Ausstellung des angeblich einzigen verbliebenen Porträts William Shakespeares, das zu Lebzeiten entstanden ist, hat eine Mainzer Forscherin Zweifel an der Echtheit angemeldet. Es sei "unhaltbar", das sogenannte "Cobbe-Porträt" des Dichters als authentisch zu bezeichnen, sagte die Shakespeare-Forscherin Hildegard Hammerschmidt-Hummel am Mittwoch. Dies hätte die Auswertung von vier Expertengutachten ergeben. Das Bildnis gehört dem englischen Gemälderestaurator Alec Cobbe. Es soll am Donnerstag (23. April), dem Geburts- und Todestag Shakespeares (1564 - 1616), im englischen Stratford-upon-Avon erstmals ausgestellt werden.

Das Brustbild zeigt einen Mann, der eine dunkle und mit goldenen Stickereien verzierte Jacke trägt. Eigenen Angaben zufolge hatte Cobbe 2006 bei einer Ausstellung in London Ähnlichkeiten seines Bildes zu dem sogenannten Janssen-Porträt von Shakespeare entdeckt, dem sein Bild als Vorlage gedient haben könnte. Nach der Meinung von Hammerschmidt-Hummel kann das Janssen-Porträt hingegen zum kleinen Kreis von Bildnissen gerechnet werden, die tatsächlich während der Lebenszeit Shakespeare entstanden sind. Bei vier Werken sei dies bereits nachgewiesen, darunter die 1613 geschaffene Davenant-Büste.

Die Mainzer Wissenschaftlerin hat nach eigenen Angaben einen Kriterienkatalog der Gesichts- und Krankheitsmerkmale des Dichters erstellt, etwa über eine wachsende Schwellung am Auge und auf der Stirn. Bei ihren Untersuchungen habe sie nun deutliche Abweichungen zwischen Cobbe- und Janssen-Porträt erkannt, sagte sie. Während der Maler des Janssen-Porträts mit den Merkmalen bestens vertraut gewesen sei, habe der Künstler des Cobbe-Porträts keine weitreichenden Detailkenntnisse besessen. Das Janssen-Porträt aus der Folger Shakespeare Library in Washington könnte vielmehr als Vorlage für das Cobbe-Porträt gedient haben. (APA/dpa)